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League of Legends Classic zeigt, warum Nostalgie schön ist, aber nicht immer recht hat
Der Nostalgie-Modus von Riot Games ist endlich live. Warum die Zeitreise nicht ganz reibungslos verläuft und welche alten Mechaniken heute überraschen.
Seit Wochen habe ich mich auf diesen Tag gefreut. League of Legends Classic ist seit gestern spielbar und ich konnte es mir nicht verkneifen, direkt zum Release ein paar Runden in der alten Kluft zu drehen. Es war eine wilde Mischung aus Erfahrungen, die ich vor etwa 13 Jahren gemacht habe, und dem ständigen Suchen danach, was Riot Games alles modernisiert hat. Die volle Dröhnung Nostalgie blieb dadurch etwas auf der Strecke. Aber hey, es ist noch genug vorhanden, um sich sentimental in alten Mechaniken und Items zu suhlen.
Der zeitlich begrenzte Modus von Riot Games bringt das PC-MOBA zurück in seine Anfangsjahre. Gespielt wird auf dem alten Map-Layout mit dem klassischen Champion-Roster, originalen Fähigkeiten und den historischen Items von damals.
Irgendwie haben wir so eine Art, die Vergangenheit zu romantisieren und all die kleinen, nervigen Nuancen auszublenden. Ich denke oft an die Momente, in denen ich noch neue Champions im Loading-Screen entdeckt habe und völlig fasziniert von ihrem optischen Design war. So sehr, dass ich als blutige Anfängerin und Jungle-Noob unbedingt Elise spielen wollte, weil heilige Tarantel, die kann einfach als Spinne mit kleinen Baby-Spinnies über die Karte laufen. Ja, ich habe dann auch schnell gemerkt, dass diese hart erspielten 4.800 IP eine völlige Verschwendung waren.
Egal, Elise ist ohnehin nicht im Roster von Classic dabei. Dafür aber einen Champion, für dessen altes Kit ich schon immer absolut geschwärmt habe: Soraka. Als ich 2013 mit LoL angefangen habe, stieg ich nach meiner legendären ersten Vladimir-Runde ohne Maus, aber mit Touchpad auf dem Laptop, auf die ADC-Rolle um. Mit Maus. Ich habe dazugelernt. So schnell ist noch kein Mensch in den nächsten Elektronikshop gerannt. Zur Support-Rolle, die bis heute mein Zuhause im MOBA ist, kam ich dann erst später. Erst mit Sona, dann Janna, und mein absoluter Main ist Lulu.
Okay, irgendwie aktiviert Classic doch irgendeinen vergangenheitsverliebten Nerv in mir, weil ich quassel euch jetzt schon zwei Textblöcke lang nur mit "der guten alten Zeit" voll anstatt von meiner Runde im Modus zu erzählen. Was absolut entspannt ist? Dass dieser sich einfach im Client starten lässt. Ihr braucht kein neues Spiel herunterzuladen. Es ist leicht zu finden und simpel auszuwählen. Der Classic-Reiter begrüßt euch direkt mit Schaltflächen, die mit ihrem kantigen Design und leicht bröckelnder Steinmarmorierung mich gedanklich schon ein Jahrzehnt zurückkatapultieren.
Wer dann aber auf "Play" drückt, erlebt eine kleine Zeitreise in die Zukunft - eine, die es nicht mal so aktuell in League of Legends gibt. Ihr könnt hier eure Rolle auswählen, aber nicht einfach, indem ihr eure Favoriten anklickt und einloggt. Nein, nein. Ihr müsst alle fünf Rollen auf fünf Prioritätsstufen verteilen. Mit zwei Freunden bin ich also in die Kluft der Beschwörer gerutscht, die erstaunlich polished aussah. Ebenso wie die alten Champions. Die moderneren, kräftigen Umrandungen sowie einige neue Skins zwischen den Oldschool-Champions haben sich doch etwas zu zeitaktuell angefühlt, um die volle Nostalgiewärme zu entfalten.
Was das Thermometer aber etwas weiter in die Höhe kochen ließ, war der Jungle. Der kleine Drache, der alte Baron, die Buffs mit ihren zwei Mini-Anhängseln... Wundervoll. Ebenfalls sorgen die alten Splash-Arts und Icons auf der Minimap für ein wohliges Gefühl und den ein oder anderen Schmunzler. Als ich meine Soraka auf der kleinen Karte suchte, dachte ich kurz, sie gefunden zu haben - allerdings handelte es sich dabei um Warwick. Ups. Aber das alte Soraka-Splash-Art sieht auch einfach komplett anders aus. Anstelle einer sanften Sternenheilerin mit violettfarbener Haut, weichen Gesichtszügen und Eleganz ist die alte Soraka ein wütendes Wesen mit blauer Haut, glühenden Augen und einem zornigen Gesichtsausdruck.