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Ukraine und Polen: Wie alte Massaker die Nachbarn spalten
Zwischen Polen und Ukraine ist ein alter Streit über Massaker während des Zweiten Weltkriegs aufgeflammt. Vor Ort zeigt sich, warum das Thema weiter so heikel ist - und wie die Gräben überwunden werden können.
Es ist ein heißer, stickiger Sommertag. Ein Minensuchtrupp durchkämmt ein abgestecktes Gelände mit meterhohem Gras. In der Nähe des Dreiländerecks zwischen Polen, Belarus und der Ukraine könnten noch Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg liegen. In der Region Wolhynien verübten die deutschen Besatzer und die Sowjets schwere Verbrechen an der Zivilbevölkerung. Doch während der Zeit der Nazi-Besatzung kam es auch zu Massakern ukrainischer Partisanen an der polnischen Bevölkerung. Und umgekehrt.
Der polnische Historiker Leon Popek leitet ein polnisch-ukrainisches Team, das nach den sterblichen Überresten der Opfer von damals sucht. Er beschäftigt sich seit den 1990er-Jahren mit dem Thema, auch aus persönlichen Gründen: "Weil hier vor 83 Jahren mein Großvater gestorben ist. Jan Szwed war damals 65 Jahre alt. Ein Teil meiner Familie ist hier gestorben. Hier sind meine Wurzeln. Ich kann sagen: Irgendwie bin ich von hier."
Wie viele Menschen den Massakern zum Opfer fielen, ist umstritten. Fest steht: Zehntausende Polinnen und Polen wurden von Kämpfern der Ukrainischen Aufständischen Armee, der UPA, ermordet.
Archäologen suchen nach Überresten der Opfer der Massaker von Wolhynien.
Nachdem das Gelände auf Minen untersucht wurde, trägt ein Bagger vorsichtig die oberste Erdschicht ab. Erst dann beginnt die Suche nach menschlichen Überresten.Vor Ort funktioniert die gemeinsame historische Aufarbeitung zwischen polnischen und ukrainischen Forschern gut. Auf politischer Ebene dagegen sind die Beziehungen zuletzt wieder belastet.
In Olyka, einer Kleinstadt in der Ukraine, gedenken Ukrainer und Polen gemeinsam der Opfer der Massaker und setzen damit ein Zeichen der Versöhnung. Zu der Zeremonie in den Ruinen einer Kirche ist auch Polens Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz gekommen.
Nachdem er vor dem Altar gekniet und gebetet hatte, richtete er sich an die versammelten Gäste: "Der 83. Jahrestag des Völkermords in Małopolska wird ein Tag der Verwandlung vieler Herzen und Gedanken sein. Möge er immer ein Tag der ewigen und heiligen Erinnerung an das Martyrium der Polen bleiben."
Hier zeigt sich, wie sensibel das Thema ist: Die Wortwahl des Ministers stößt bei einigen Ukrainern auf Irritationen. Er spricht von "Małopolska", also Kleinpolen, einer historischen Bezeichnung aus einer Zeit, als die Region Wolhynien zu Polen gehörte. Mit der Zeit der Zweiten Polnischen Republik verbinden viele Ukrainer Unterdrückung und Repressionen.
Ein Archäologe misst Knochen aus: Die Gräueltaten während des Zweiten Weltkrieges belasten noch immer das Verhältnis beider Staaten.