// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Wachsender Protest gegen Rechenzentren in den USA
In den USA wächst der Widerstand gegen Rechenzentren - weil sie Lärm machen, viel Kühlwasser verbrauchen und oft die Luft verpesten. Häufig stehen die Anlagen in Wohngebieten, was die Anwohner nervt - über Parteigrenzen hinweg.
Es ist ein Geräusch, das Hari Doue als "heulend", als "hoch" beschreibt. Es erinnert sie an ein Flugzeug - oder an eine Maschine, die pausenlos läuft. Das Geräusch kommt vom neuen Nachbarn der Familie, einem Rechenzentrum, das nur etwa 150 Meter entfernt steht. Vor rund einem Jahr nahm es seinen Betrieb auf.
Doch der örtliche Energieanbieter kann nicht genug Strom liefern für alle Rechenzentren, die in jüngster Zeit hier in Northern Virginia wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Deshalb läuft diese Anlage seitdem im Notbetrieb, ununterbrochen: Den Strom liefern die eigenen Gasturbinen. Und wenn es besonders heiß ist, springen zusätzlich Dieselgeneratoren an. Beides macht Lärm und schlechte Luft.
Ethan und Lucas, Hari Doues neunjährige Zwillinge, gehen jetzt nur noch selten zum Spielen raus. Der Lärm nervt sie. Und sie schlafen deswegen auch schlecht. Dabei ist ihr Viertel in Sterling, im Speckgürtel von Washington gelegen, eigentlich eine ruhige Wohngegend.
Blick auf ein Datenzentrum in Lowell im Bundesstaat Massachusetts - in direkter Nachbarschaft zu einem Wohngebiet.
Die Urlaubsfotos in der Cloud, das Surfen im Netz, das Online-Shopping: All das sorgt für einen stetig steigenden Bedarf an Rechenleistung. Dazu kommt Künstliche Intelligenz. Präsident Donald Trump will den KI-Wettlauf gegen China gewinnen. Er sperrt sich gegen strenge Regeln für die Technologie. Und wie Rechenzentren reguliert werden, ist ohnehin die Angelegenheit der Gemeinden und Bundesstaaten.
Überall im Land sind Rechenzentren geplant oder im Bau. Rund um Washington stehen so viele dieser Anlagen wie sonst nirgends in den USA, allein in Northern Virginia gibt es mittlerweile fast 600. Gleichzeitig rührt sich der Widerstand. Im Bundesstaat New York ist er so groß, dass sich die demokratische Gouverneurin Kathy Hochul Mitte Juli gezwungen sah, einen einjährigen Baustopp für Anlagen mit einem Verbrauch von mehr als 49 Megawatt anzuordnen.
In Utah fehlt es an Wasser, um die vielen Server zu kühlen.
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Gegen die Rechenzentren gehen längst nicht mehr nur Menschen aus dem linken politischen Spektrum auf die Straße. Meinungsumfragen zeigen: Auch unter Anhängern der Republikaner ist eine Mehrheit gegen den Bau dieser Anlagen in Wohngebieten.
Bei einem landesweiten Protesttag an einem Samstag fanden sich kürzlich in Frederick, einer Kleinstadt ebenfalls vor den Toren von Washington (US-Bundesstaat Maryland), etwa zwei Dutzend Menschen zu einer Demonstration ein. Viele der Teilnehmer wirkten eher bürgerlich und sahen nicht so aus, als würden sie regelmäßig mit Plakat und Megafon demonstrieren.