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Interview zu Krise in Ceuta: "Die Schuld Spanien zu geben, war irrational"
Ist Spanien für die Krise in Ceuta verantwortlich? Der Migrationsexperte Gerald Knaus verneint das. Die Vorwürfe gegen die Regierung seien eine irrationale Reaktion auf verstörende Bilder. Die EU müsse nun schnell eine Entscheidung treffen.
tagesschau.de: 22 Regierungschefs der EU werfen Spanien indirekt vor, den Ansturm von Zehntausenden auf die Enklave Ceuta mit ausgelöst zu haben. Ist der Vorwurf begründet?
Gerald Knaus: Nein. Aber natürlich ist die Geschichte komplizierter. Das Entscheidende ist, dass wir den Kontext sehen. In der ersten Hälfte dieses Jahres gab es insgesamt eine irreguläre Migration aus ganz Afrika nach Spanien von nur 14.000 Menschen. Das waren weniger als im Jahr davor, weniger als zur gleichen Zeit nach Italien und Griechenland kamen. Spanien hatte die Kontrolle über irreguläre Migration, und das war im Jahr davor auch schon so.
Wenn also mitschwingt, dass es in Spanien heute eine Regierung gibt mit einem sozialdemokratischen Regierungschef, der Migration nicht wirklich kontrollieren will: Die Fakten zeigen es nicht. Dieses Wochenende, wo an einem Tag 50.000 bis 60.000 Menschen aus Marokko in die Stadt Ceuta kamen, war vollkommen untypisch. So etwas gab es die vergangenen Jahrzehnte nicht. Das waren fünf Mal höhere Zahlen als bei den täglichen Ankünften auf den griechischen Inseln auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. So gesehen kann man nicht sagen, dass dafür die spanische Politik der vergangenen Jahre verantwortlich war.
Jetzt gibt es die zweite Behauptung, die Spanier hätten irregulären, im Land lebenden Migranten die Möglichkeit geboten, einen einjährigen Aufenthaltsstatus zu bekommen. Das wurde im Januar 2026 verkündet. Aber seit Januar sind die Zahlen nicht gewachsen. In der Vergangenheit haben auch andere spanische Regierungen so etwas beschlossen - das war das siebte Mal, dass so etwas gemacht wurde. Danach sind die Zahlen irregulärer Migration nie gewachsen.
Italien hat in den vergangenen Jahrzehnten noch mehr Menschen, die irregulär im Land waren, einen Aufenthaltsstatus gewährt. Und auch in Italien sind daraufhin die Zahlen derjenigen, die irregulär kommen, nicht gewachsen, weil es sich hier um andere Herkunftsländer handelt.
In Spanien waren fast 90 Prozent derjenigen, die einen Aufenthaltsstatus beantragen konnten, Südamerikaner. Deshalb ist das keine plausible Erklärung dafür, dass nach Ablauf der Frist dafür nun junge marokkanische Männer ohne jede Chance auf Asyl in eine in Nordafrika gelegene Stadt kommen. Diese Vorwürfe sind nicht überzeugend.
FAQ
01.08.2026
Wie haben die Mitgliedsstaaten reagiert? Und warum gibt es Kritik an Spanien?
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tagesschau.de: Was bewegt die Regierungschefs dann, solche indirekten Vorwürfe zu machen?