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Industrie überrascht dank Großaufträgen mit kräftigem Auftragsplus
Die deutschen Industrieunternehmen haben zuletzt mehr Aufträge an Land gezogen als erwartet. Es ist bereits der zweite Anstieg in Folge. Trotzdem bleiben Risiken für die Industrie bestehen, warnen Ökonomen.
Deutschlands Industrieunternehmen, allen voran die Maschinenbauer, haben im Juni mehr Aufträge erhalten: Der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe stieg im Vergleich zum Vormonat um 3,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Es ist bereits der zweite Zuwachs in Folge.
"Die guten Auftragseingänge legen die Grundlage für eine mittelfristige Produktionsausweitung", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, mit Blick auf die heute veröffentlichten Zahlen: "Die deutsche Wirtschaft hat damit die Trendwende vollzogen und dürfte auf Sicht der kommenden Jahre wieder höhere Wachstumszahlen ausweisen."
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Allerdings gibt es auch zwei Wermutstropfen: So wären die Bestellungen ohne Großaufträge geschrumpft. Außerdem wurde der Mai-Zuwachs nachträglich auf 0,3 Prozent nach unten korrigiert. Zuvor hatten die Auftragseingänge im Mai bei 1,9 Prozent gelegen.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht deshalb noch keinen kräftigen Aufschwung. "All das erinnert wieder einmal daran, dass sich die deutsche Wirtschaft selbst dann nur zögerlich erholen dürfte, wenn das Öl wieder durch die Straße von Hormus fließt", sagte Krämer. "Letztlich leiden die deutschen Unternehmen weiter unter einer schlechten Standortqualität, die die geplanten Reformen der Bundesregierung nicht wesentlich verbessern dürften."
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Auch Jens-Oliver Niklasch, Ökonom der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), verwies auf die nach wie vor vorhandenen Risiken: "Freilich schwebt das Ölpreis-Risiko latent über allem, und mit den Pegelständen der großen Flüsse ist ein neues Abwärtsrisiko dazugekommen."
Das Niedrigwasser auf Europas wichtigster Wasserstraße, dem Rhein, behindert seit Tagen die Binnenschifffahrt und kann Lieferketten unterbrechen, was wiederum die Produktion ausbremsen könnte.
Gerade in den am Rhein liegenden Bundesländern bezögen sehr viele Unternehmen ihre Güter, Rohstoffe und Vorprodukte über die Wasserstraße, sagte Simon Gerards Iglesias vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) im ZDF-Morgenmagazin: "Für ein Unternehmen wie BASF ist es lebensnotwendig, dass der Rhein als Wasserstraße funktioniert, wenn es 40 Prozent seiner Produkte hierüber abfertigt."