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Kann Künstliche Intelligenz kleine Sprachen retten?
KI-Tools können Übersetzungen von Plattdeutsch oder Friesisch erleichtern. Doch wie zuverlässig sind sie bei kleinen Sprachen und wo liegen Hürden?
Wenn im Plattdüütskbüro der Ostfriesischen Landschaft in Aurich eine Übersetzungsanfrage per Telefon oder E-Mail eingeht, sind Grietje Kammler und ihr Team gefragt. Ob für Briefe, Unterrichts- oder Werbematerialien bis hin zu Traueranzeigen und Redemanuskripten: Das Plattdüütskbüro hilft, wo hochdeutsche Sätze und Redewendungen passgenau in das in Ostfriesland gesprochene Niederdeutsch übersetzt werden sollen. „Das reicht von einem Wort bis hin zu ganzen Büchern“, sagt Kammler, die Leiterin des Büros. „Der Bedarf ist da, täglich haben wir Anfragen.“
Moderne Technik könnte die Übersetzungen noch vereinfachen - zum Beispiel durch Künstliche Intelligenz. „Wir beobachten natürlich, was sich da tut und entwickelt“, sagt Kammler. „Eines unserer Ziele ist, einen KI-trainierten Übersetzer für das ostfriesische Plattdeutsch zu haben.“
So ein Online-Übersetzer, kostenlos und rund um die Uhr abrufbar, würde dem Büro nicht nur die Übersetzungsarbeit erleichtern, sondern auch jeden zum Ausprobieren anregen, ist sich Kammler sicher. „Die Hemmschwelle hier anzurufen, wäre beispielsweise nicht da.“
Dass solche digitalen Dienste beim Lernen und Übersetzen von plattdeutscher Sprache helfen können, sieht das Plattdüütskbüro bei anderen Angeboten: Demnach wurde die eigene Platt-Lern-App „PlattinO“ inzwischen mehr als 125.000 Mal heruntergeladen, das Online-Wörterbuch kommt auf mehr als 16 Millionen Übersetzungsanfragen - warum also nicht auch einen Plattdeutsch-KI-Übersetzer entwickeln?
„Viele Leute sprechen uns an und sagen: ChatGPT kann ja auch schon Platt“, erzählt Kammler. Und das stimme zum Teil auch, denn wer ChatGPT um eine plattdeutsche Übersetzung bitte, bekomme diese in der Regel auch.
Das Problem: Plattdeutsch konzentriert sich im Vergleich zu anderen großen Sprachen wie Englisch, Französisch oder Spanisch auf einen geradezu winzigen Sprachraum. Für ihre Übersetzungsvorschläge nutze ChatGPT sämtliche Plattdeutsch-Varianten, die es im Internet finden könne, erklärt Kammler. Das führe zu Problemen – zum Beispiel beim plattdeutschen Wort „good“ für „gut“. „ChatGPT schreibt das mal mit D, mal mit T, mit einem O oder mit zwei oder vielleicht auch mal mit Ö - und das innerhalb eines Textes“, sagt die Sprachexpertin. Für seriöse Übersetzungen sei das nicht zu gebrauchen.
Einen Schritt weiter ist bereits die Ferring Stiftung auf Föhr. Dort wurde im April 2025 ein KI-basiertes Online-Übersetzungsprogramm für Föhrer Friesisch (Fering) entwickelt. Nordfriesisch zählt wie Plattdeutsch (Niederdeutsch) zu den sieben geschützten Regional- und Minderheitensprachen in Deutschland – neben Saterfriesisch, Dänisch, Ober- und Niedersorbisch sowie Romanes.
Ein Grund, den KI-Übersetzer zu entwickeln, sei die sehr aktive und lebendige Sprachgemeinschaft, obwohl das Föhrer Friesisch nicht viele Sprecherinnen und Sprecher habe, sagt Hauke Heyen, Projektkoordinator des KI-Übersetzers „Fering Auersaater“ bei der Ferring Stiftung. Viele Menschen, die mit Friesischsprechenden zusammenlebten und arbeiteten, hätten oft den Wunsch, Friesisch besser verstehen zu können oder etwas auf Friesisch schreiben oder sagen zu können. „Menschen, die Friesisch lernen oder mit ihren eigenen Sprachkenntnissen unsicher sind, suchen Hilfe, wenn sie schnell etwas übersetzen wollen.“
Der Übersetzer basiert auf einem Modell für maschinelles Lernen (ML), das speziell mit rund 20.000 Sätzen trainiert wurde. Der Übersetzer werde zwar sehr gut angenommen, ist Heyens Eindruck. Jeden Monat liefert das Tool demnach rund 2.000 Übersetzungen an Nutzerinnen und Nutzer. Allerdings schwankten die Ergebnisse der Übersetzungen noch sehr stark, teils gebe es noch deutlichen Verbesserungsbedarf.