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Kilia im Test: Bekanntes Rezept, packendes Rennen – Lohnt sich das Ostsee-Eurogame?
Das Brettspiel von Huch! bietet tiefe Mechanik, leidet aber am trockenen Setting. Ob das clevere Ressourcen-Management trotzdem langfristig fesseln kann.
Kilia erfindet das Rad der Ressourcenschubser zwar nicht neu, überzeugt im Test aber als mechanisch stark verzahntes, belohnendes und angenehm kompaktes Optimierungsrennen.
Der Begriff „Eurogame“ (oder Autorenspiel) bezeichnet Brettspiele, die Mechanik, Ressourcenmanagement und strategische Planung in den Fokus rücken. Im Gegensatz zu „Ameritrash“-Spielen sind Glückskomponenten, direkte Konflikte und thematische Immersion hier meist zweitrangig.
Kennt ihr diese typischen Ressourcenschubser-Brettspiele? Gib ein Holz ab, um 2 Schafe zu bekommen… Tausche drei Gold gegen zwei Teppiche… Ich bin mir sicher, wenn ihr euch für analoges Zocken begeistern könnt, dann kennt ihr solche Titel zuhauf. Auch ich habe mir in der Vergangenheit zahllose dieser „Ressourcenschubser“ reingezogen und hatte auch sehr viel Freude dran. Gerade mechanisch gibt es hier einige echte Perlen zu entdecken. Nur thematisch wird es bei den meisten dieser Titel leider etwas dünn. Beim Blick auf das Material von Kilia schwant es mir bereits: Dieses Teil wird wohl in eine ähnliche Richtung gehen, oder?
Das Szenario entführt euch in den Norden Deutschlands, genauer gesagt in die Hafenstadt Kiel. Dort übernehmt ihr als Jungunternehmer eine Reederei, der ihr natürlich zu Ruhm und Glanz verhelfen wollt. Mit eurem Schiff schippert ihr in der Ostsee herum, lauft dabei verschiedene Häfen an, um dort eure Waren aufzupicken. Folgende Handelswaren könnt ihr aufnehmen: Salz, Getreide, Ziegel und Holz. Gähn… ja ziemlich langweilig, ihr habt Recht. Aber letztlich sind diese Ressourcen natürlich nur Mittel zum Zweck. Sie helfen euch lediglich dabei, möglichst viele Siegpunkte zu generieren. Einen Originalitätspreis gewinnt Kilia damit sicherlich nicht.
Kilia muss also auf mechanischer Ebene punkten. Um es vorwegzunehmen: Das kann es. Die Partie beginnt zwar gemächlich, zieht dann aber dank zahlreicher taktischer Stellschrauben rasant an und mündet in einem packenden Wettlauf um die siegpunktebringenden Positionen. Im Mittelpunkt steht ein allgemeines Tableau, auf dem zweierlei Kartentypen bevorratet werden: Aufträge und Aktionskarten. Von Letzteren wählt ihr im eigenen Zug immer zunächst exakt eine Karte aus. Schon die Auswahl kann unter Umständen kostspielig werden. Lediglich die Karte ganz links in der Reihe kann gratis gewählt werden. Für alle anderen werden Schlüsselsymbole benötigt, die euch anfangs noch fehlen.
Diese Schlüsselsymbole befinden sich auf einigen Aktionskarten in der Auslage, dargestellt durch Schlösser. Ihr könnt sie eurem persönlichen Tableau hinzufügen, müsst dafür aber Salz bezahlen. Je mehr Schlösser sich bereits im Besitz befinden, desto kostspieliger wird die ganze Angelegenheit. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch die anderen Ausbaustufen der Reederei. Universitäten baut ihr mit Ziegelsteinen aus, sie bescheren euch dafür neue Fähigkeiten. Beispielsweise könnt ihr jetzt Ziegelsteine auch mit Salz-Ressourcen zahlen, was ziemlich praktisch ist.
Holz benötigt ihr für den Ausbau des eigenen Schiffs. Auch hier gilt wieder: Je weiter das Projekt fortgeschritten ist, desto teurer wird es für euch. Ein mächtiges Schiff ist allerdings schon sehr hilfreich, kann es doch viel mehr Waren aufnehmen als der Äppelkahn, der euch zu Beginn der Partie zur Verfügung steht. Optimalerweise baut ihr parallel dazu aber auch noch die Packhäuser entlang des Schifffahrtsweges aus. Mit ihnen macht euer Schiff an immer mehr Stellen Halt und nimmt dort die Waren in Empfang. Ihr werdet sie dringend brauchen, um euer Handelsimperium zu erweitern.
Egal, für welchen Ausbau ihr euch entscheidet, prinzipiell ist jede der Aktionskarten dazu geeignet. Sie lassen sich auf vielfältige Weise verwenden. Je nachdem, wie ihr sie nutzt, werden andere Teile der Karte relevant. In der Regel wählt ihr dazu gleich zwei Karten aus