// HEISE ONLINE — INTELLIGENZA ARTIFICIALE
Time Magazine zeigt KI-Bots separate Markdown-Seiten mit eingebetteten Anzeigen
Das Time Magazine betreibt eine zweite Version seiner Website nur für KI-Crawler – inklusive Werbung, die nur sie sehen. Die sollen in Chatbot-Antworten landen.
Das Time Magazine hat damit begonnen, auf der eigenen Webseite Werbung anzuzeigen, die nur KI-Crawlern wie ClaudeBot, OAI-SearchBot oder PerplexityBot sehen. Im konkreten, vom Freelance-Entwickler Vincent Schmalbach entdeckten Fall handelt es sich um Werbung für die Bank Ally, die in die Markdown-Version der Time-Webseite eingebettet ist.
Anders als Werbung für Menschen kommt sie ohne Catchy Slogan aus und ähnelt eher einer FAQ mit „Fakten“ zur Bank. Dort heißt es etwa, dass es „die einzige Bank ist, die für das Leben heute gebaut ist“ und „in einer eigenen Liga“ spielen würde. Die „Fragen“ in der Werbeanzeige klingen fast wie Nutzeranfragen, die die KIs bekommen könnten: „Ist Ally gut für alltägliches Banking“ oder „Kann man bei Ally Bargeld einzahlen“
Wie Digiday berichtet, seien die Agent Ads eine der ersten Publisher-Kampagnen, die gezielt KI-Agenten adressiert. Google-Bots und Nutzer bekommen diese Werbung nicht zu sehen, da sie die HTML-Version der Webseiten ausgespielt bekommen. KI-Bots hingegen erhalten die Markdown-Version mit der Werbung.
Die Hoffnung ist, dass die KIs den Inhalt ungefiltert als Antwort für ihre Nutzer übernehmen. Jonah Goodhart, der CEO der Agentur Mobian, die dafür verantwortlich ist, formuliert die Strategie gegenüber Digiday: „Wenn du ChatGPT beeinflusst, beeinflusst du potenziell ganz ChatGPT. Wenn ChatGPT ändert, was es über eine Marke sagt, ist das massiv und mehr, als jede einzelne Kampagne jemals bewirken könnte.“
Die Time positioniert die Anzeigen vorrangig in Evergreen-Inhalten wie der Liste „Best Inventions of 2025“ oder einem „Top 100 Content Creators“-Artikel – also Seiten, die nicht so schnell irrelevant werden wie News. Erste Werbekunden sind die US-Onlinebank Ally Bank und das Project Management Institute.
Die Geschäftslogik hinter Agent Ads passt zum aktuellen Wandel des Webtraffics. Laut Cloudflare-Daten sind mittlerweile mehr als 50 Prozent des gesamten Internet-Traffics nicht menschlich. 52 Prozent der Crawler-Anfragen dienten im Juni 2026 dem KI-Training.
Parallel dazu verändert sich das Suchverhalten der Internet-Nutzer. Eine Similarweb-Studie zeigt, dass der Anteil von Google-Suchen mit AI Overviews binnen eines Jahres von gut 15 auf knapp 45 Prozent gestiegen ist. Die Menschen verlassen sich zunehmend auf KI-Zusammenfassungen – genau das Umfeld, auf das Agent Ads im FAQ-Format abzielen.
Keine News verpassen! Jeden Morgen der frische Nachrichtenüberblick von heise online
Ausführliche Informationen zum Versandverfahren und zu Ihren
Widerrufsmöglichkeiten erhalten Sie in unserer
Datenschutzerklärung.