// HEISE ONLINE — MODA & SOCIETÀ
Wetten auf Flugverspätungen: FlightAware lässt Klage fallen
Das ging flugs: Der Flugdatendienst FlightAware zieht seine Klage gegen die US-Wettbörse Kalshi zurück. Kalshi richtet Wetten auf Flugverspätungen aus.
Der Flugdatensammler FlightAware hat seine Klage gegen die US-Wettbörse Kalshi nur einen Tag nach Erhebung wieder zurückgezogen. Das lässt auf eine Einigung zwischen den Streitparteien, die sich öffentlich nicht geäußert haben, schließen. Anlass für die Klage war, dass Kalshi Wetten auf Flugverspätungen und -ausfälle anbietet und die Wettauswertung davon abhängig macht, welche Angaben FlightAware veröffentlicht. FlightAware hat dem nie zugestimmt.
Kalshi hat solche Wetten für drei US-Flughäfen bereits 2022 registriert, seit Juli sind aber alle US-Flughäfen betroffen. Das löste Medienecho aus, woraufhin FlightAware Wind von der Sache bekam. Kalshi nannte FlightAware als Datenquelle beim Namen und zeigte auch das Logo des Flugdatendienstes. Das erweckte den Eindruck von Kooperation der beiden Unternehmen. Weil Wetten auf Flugausfälle oder -verspätungen finanziellen Anreiz schaffen, den Flugbetrieb zu stören, um Verspätungen oder Flugausfälle herbeizuführen, oder aber die Missachtung von Sicherheitsmaßnahmen fördert, um Flugverspätungen zu vermeiden, reagierten Fluggesellschaften, Vielflieger und andere aus der Luftfahrtszene erbost.
Daraufhin verklagte FlightAware Kalshi am Montag vor einem US-Bundesbezirksgericht und begehrte unter anderem Unterlassung sowie Schadenersatz. Doch schon am Dienstag hat die Firma ihre Klage wieder zurückgezogen, unter Vorbehalt des Rechts, sie erneut einzubringen. Kalshi hat die FlightAware-Logos entfernt und nennt FlightAware nicht mehr beim Namen. Stattdessen ist von einer „primären Datenquelle” (Primary Source Agency) die Rede, Hyperlinks zeigen jedoch weiterhin auf FlightAware.
Kalshi stellt klar, dass die Datenquelle das Wettangebot nicht gutheißt. Außerdem hebt es eine Wettregel hervor, wonach die Wette nach Gutdünken Kalshis nach dem letzten „fairen Preis” abgerechnet werden kann, wenn es zu „unrechtmäßigen, böswilligen, absichtlichen oder sicherheitsbezogenen Störungen der Flughafenaktivität” kommt. Das soll offenbar Tunichtgute davon abhalten, den Flugbetrieb zu stören, um eine Wette zu gewinnen. Es schützt aber nicht vor der Missachtung von Sicherheitsvorschriften oder Passagierrechten, um zwecks Wettgewinn Flugverspätungen oder -ausfälle zu vermeiden.
Der Rückzieher überrascht, hat FlightAware in seiner Klageschrift doch dargelegt, dass Kalshi mehrfach gegen die Nutzungsbedingungen sowie geltende Gesetze verstoßen habe, und wie sehr die Nutzung der Daten dem Ansehen und Betrieb FlightAwares schade. Zudem betonte FlightAware, dass diese Art von Wetten zu gefährlicher Manipulation führen könnten.
Vor diesem Hintergrund bestünde das Risiko, dass Fluggesellschaften und andere Datenlieferanten die Zusammenarbeit mit FlightAware einstellten, falls FlightAware Kalshis Machenschaften dulde. Überhaupt seien in den Daten auch solche enthalten, die FlightAware von Dritten unter Lizenzbedingungen beziehe, die Nutzung für Kalshis Zwecke verunmöglichten. heise online hat FlightAware kontaktiert, um dem Unternehmen Gelegenheit zur Erklärung der Vorgänge zu gewähren.
Das Gerichtsverfahren hieß FlightAware v Kalshi et al und wurde am US-Bundesbezirksgericht für den Suden New Yorks unter dem Az. 1:26-cv-06824 geführt.
Keine News verpassen! Jeden Morgen der frische Nachrichtenüberblick von heise online
Ausführliche Informationen zum Versandverfahren und zu Ihren
Widerrufsmöglichkeiten erhalten Sie in unserer
Datenschutzerklärung.