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Studie: AfD-Politik nicht auf Arbeiter ausgerichtet
Die AfD holt bei Arbeitern besonders viele Stimmen. Laut einer von Panorama in Auftrag gegebenen Studie hält sie aber am marktliberalen Kurs ihrer Gründungszeit fest - und hat ihn zuletzt sogar verschärft.
Bei der vergangenen Bundestagswahl war die AfD erstmals stärkste Partei unter Arbeiterinnen und Arbeitern. Je nach Umfrageinstitut machten zwischen 30 und 38 Prozent der Arbeiterinnen und Arbeiter ihr Kreuz bei der AfD. Eine Studie der Universität Tübingen im Auftrag von Panorama kommt zu dem Ergebnis, dass die wirtschafts- und sozialpolitischen Positionen der AfD alles andere als arbeiterfreundlich sind. Die Partei sei "eindeutig am marktliberal-unternehmensfreundlichen-fiskalkonservativen Pol" des Parteienspektrums einzuordnen und befinde sich damit zwischen Union und FDP. In einer der Auswertungen erreicht die AfD 92 Prozent marktliberale Positionen, die Union 79 und die FDP 100 Prozent.
Bild: Stimmanteile unter Arbeitern|im Vergleich zu 2021
Für die Studie analysierte der Politikwissenschaftler Floris Biskamp das Grundsatzprogramm sowie sämtliche Bundestags- und Europawahlprogramme der AfD seit 2013. Die Ergebnisse prüfte er mit weiteren Methoden, etwa quantitativen Programmanalysen und einer Auswertung der Antworten der Parteien auf Fragen des Wahl-O-Mats. Alle Auswertungen zeigen übereinstimmend, dass die AfD seit ihrer Gründung stark marktliberal ausgerichtet ist.
Wer noch nicht weiß, was er oder sie wählen soll, kann sich nun Unterstützung holen. Der Wahl-O-Mat zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist online.
mdr
Dieser Befund zeigt sich exemplarisch in Biskamps Auswertung der Wahl-O-Mat-Antworten seit 2013. Vor Bundestagswahlen können die Parteien dort 38 von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgewählten Forderungen zustimmen, sie ablehnen oder sich neutral positionieren. Biskamp wertete jene Aussagen aus, die sich eindeutig auf wirtschafts- und sozialpolitische Themen beziehen, etwa Fragen zu Steuerpolitik, Erhöhungen oder Kürzungen von Sozialleistungen, Staatsausgaben oder der Regulierung von Märkten.
Für die Antworten vergab er Punkte: Zustimmungen zu marktliberalen Forderungen oder Ablehnungen von umverteilenden Forderungen zählte Biskamp jeweils positiv, die umgekehrte Position negativ. Neutrale Antworten blieben ohne Einfluss. Anschließend übertrug Biskamp die Ergebnisse auf eine Skala von 0 bis 100 Prozent. Null Prozent stehen dabei für eine konsequent umverteilende und sozialstaatliche Position, 100 Prozent für eine maximal marktliberale, unternehmensfreundliche und fiskalkonservative Ausrichtung.
Das Ergebnis: Die AfD befindet sich seit ihrer Gründung deutlich am marktliberalen Ende des Spektrums und damit ungefähr zwischen Union und FDP. Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte sie der Auswertung zufolge 92 Prozent. Nur die FDP lag mit 100 Prozent noch weiter am marktliberalen Pol. CDU/CSU kamen auf 79 Prozent, das BSW auf 29, SPD und Grüne auf jeweils 25 und die Linke auf acht Prozent.
In diesen Werten zeigt sich, dass die AfD nach einer zwischenzeitlichen Abmilderung wieder zum starken Marktliberalismus ihrer Anfangstage zurückgekehrt ist. 2013 lag sie bei 89 Prozent, 2017 bei 83 Prozent, 2021 bei 71 Prozent und 2025 bei 92 Prozent - und damit wieder auf dem Niveau ihrer Anfangsjahre.
Zehn Jahre nach ihrer Gründung hat sich die AfD im Parteiensystem etabliert. Inhaltlich ist sie nach rechts gerückt.
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