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Twitch trainiert KI mit Livestreams und Streamer müssen sich aktiv dagegen entscheiden
Twitch-Streamer protestieren gegen automatisches KI-Training. Chief Product Officer Mike Minton erklärt ehrlich, warum es kein Opt-in gibt.
Twitch, die beliebte Streaming-Plattform für Gaming und IRL-Content, hat angekündigt, künftig generative KI-Modelle mit den Livestreams der eigenen Nutzer zu trainieren.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Bei Streamern und ihren Communities stieß die Entscheidung sofort auf heftigen Gegenwind. Auf der UserVoice-Seite von Twitch ist der Wunsch, diese KI-Funktionen optional zu gestalten, mit riesigem Abstand die Nummer eins unter allen Anfragen. Nach der Ankündigung fragten sich viele vor allem eines: Warum ist diese Funktion standardmäßig aktiviert, sodass man sich erst mühsam durch die Einstellungen klicken muss, um dem KI-Training zu widersprechen?
Um die Wogen zu glätten und sich den Fragen der Community zu stellen, luden Chief Product Officer Mike Minton und Head of Community Mary Kish gestern Abend zu einem Live-Q&A ein. Auf die Frage im Stream, warum das Feature als Opt-out aufgebaut ist, antwortete Minton überraschend ehrlich.
„Warum ist es kein Opt-in? Genau das spammst ihr hier gerade im Chat, ich verstehe das schon. ‚Lasst mich selbst entscheiden, anstatt mich automatisch anzumelden‘. Hier ist die ehrliche Antwort, und ich glaube, die meisten von euch können das nachvollziehen: Wäre es ein Opt-in, würde sich einfach niemand dafür entscheiden.
Deshalb ist die Funktion standardmäßig aktiv. So läuft das bei fast jedem Content-Anbieter auf der Welt. Was wir hier anders und besonders machen: Wir respektieren euren Wunsch, euch vom Modelltraining abzumelden. Ich weiß, dass das nicht gut ankommt und die Community sehr verärgert. Aber genau das ist der aktuelle Stand.“
Die Gemüter beruhigte diese Ansage kaum, auch wenn einige die direkte und ehrliche Art der Aussage schätzten. Es wirkt ganz so, als stünde dahinter der Druck von Amazons Führungsetage. Der Mutterkonzern setzt schließlich schon seit Jahren voll auf generative KI.
Dieser rigorose KI-Kurs hinterlässt auch in anderen Bereichen des Unternehmens Spuren. Bevor eine Entlassungswelle das Studio massiv verkleinerte, arbeitete Amazon Game Studios an einem Spiel mit generativer KI. Das Projekt wurde letztlich gestrichen, als das gesamte Entwicklerteam seine Jobs verlor.
Die große Frage bleibt, ob Twitch stur an diesem KI-Training festhält oder den Forderungen der Community nachgibt und die Funktion entfernt – oder sie zumindest auf Opt-in umstellt. Twitch ist längst nicht mehr der einzige Schwergewicht im Livestreaming-Markt. Möglicherweise sorgt erst der Druck der Konkurrenz dafür, wie die Plattform künftig mit generativer KI umgeht.