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Disney will mit Epic Games offenbar die Spielewelt umkrempeln
Der Entertainment-Riese blickt auf sein Milliarden-Investment in die Fortnite-Macher zurück und plant völlig neue, eigenständige Spieleuniversen für die Zukunft.
Vor zweieinhalb Jahren investierte Disney 1,5 Milliarden US-Dollar in Epic Games. Die Beteiligung an dem Fortnite-Hersteller und Betreiber eines Gratisspiel-Pinata getarnten digitalen Spieleshops zielt darauf ab, “ein Universum zu erschaffen, das Gaming, Geschichtenerzählen und den kreativen Ausdruck der Community miteinander verschmilzt”. Große Töne, die irgendwie nach Metaverse klingen - oder bin das nur ich?
Sowas jedenfalls hört man von Disney, wenn man sich auf der Disney-Website den aktuellen Blogbeitrag durchliest oder das dazugehörige Video “Wie Disney seine Zukunft durch Spiele gestaltet” anschaut. Ich bin nicht sicher, was das alles bedeuten soll – oder, um es anders auszudrücken: Das blumige Corporate-Speak vermittelt den Eindruck, dass es alles auf einmal bedeuten soll.
Auf jeden Fall ist Disneys Ambition, “etwas wahrhaft Transformatives zu erschaffen”.
Sean Shoptaw, seines Zeichens Executive Vice President of Global Games and Digital Entertainment bei Disney, beteuert in besagtem Beitrag, dass Spiele längst ein elementarer Pfeiler der Unterhaltungslandschaft geworden seien. Man wolle Filme und Serien nicht mehr einfach nur plump nacherzählen oder notdürftig erweitern. Stattdessen sei es das Ziel, völlig eigenständige, originäre Geschichten zu stricken, die von Grund auf für das Medium Videospiel designt seien. So weit, so gut.
Klingt auf dem Papier erst einmal nach genau dem, was wir als Spieler hören wollen, ist aber natürlich auch knallhartes geschäftliches Kalkül. Nicht umsonst erwähnt er, dass Disney Games in Zusammenarbeit mit Lizenzpartnern im vergangenen Finanzjahr geschmeidige vier Milliarden US-Dollar an Konsumausgaben generiert habe. Laut Shoptaw zähle das Portfolio mittlerweile stolze neun Spiele, die im Handel jeweils mehr als eine Milliarde Dollar umgesetzt hätten – darunter Schwergewichte wie Kingdom Hearts und Marvel Strike Force.
Der eigentliche Fokus der Chefetage dürfte jedoch voll und ganz auf der nächsten Generation liegen. Für Gen Z und Gen Alpha seien Spiele weit mehr als bloßes Entertainment; sie fungierten als digitale Abhäng-Orte und soziale Knotenpunkte zur Identitätsfindung. Um diese demografische Goldgrube zu illustrieren, verweist der Manager auf Marvel Rivals: Satte 40 Millionen Spieler weltweit, von denen 60 Prozent jünger als 24 Jahre alt seien. Obendrein brüste man sich mit der größten Discord-Community im Gaming-Bereich.
Und exakt hier schließt sich der Kreis zu Epic Games. Eine der “größten interaktiven Wetten” Disneys sei die strategische Parnterschaft mit Epic Games, um ein zusammenhängendes Universum zu realisieren, in dem Fans spielen, zuschauen und selbst kreativ werden können.
Shoptaw bezeichnet Fortnite wenig überraschend als eine der bedeutendsten sozialen Unterhaltungs-Plattformen der Welt. “Und wir sehen definitiv Tonnen an Gelegenheiten, unsere großartigen Charaktere, Geschichten und Welten in dieses Universum zu bringen und etwas zu erschaffen, das wahrhaftig einzigartig Disney ist”.
Wie genau das gemeint ist, lässt Shoptaw offen, aber ich denke und hoffe mal nicht, dass es allein darum geht, Fortnite mit mehr Disney-Inhalten zu füllen. Ich lese die Fortnite-Erwähnung hier eher als Inspiration. Ob diese wahrhaft “transformative”, eierlegende Wollmilchsau am Ende mehr ist als ein gigantischer, virtueller Marktplatz, der unsere Geldbörsen ins Visier nimmt? Ich bleibe da vorerst skeptisch – auch wenn ich zähneknirschend zugeben muss, dass Disney natürlich über eine Menge extrem starker Marken verfügt, die viel mit mir machen.