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Industriespionage: Nanya-Ingenieur versteckt Kamera zwischen Snacks
Ein leitender Ingenieur des taiwanischen Speicherherstellers Nanya soll insgesamt 32 vertrauliche Dateien zu DRAM-Fertigungsverfahren abgefilmt haben. Die dafür verwendete Actionkamera schmuggelte er laut Anklage zwischen Snacks in einen gesicherten Firmenbereich.
Der Mann arbeitete seit Oktober 2022 in Nanyas Abteilung für die Entwicklung fortschrittlicher Fertigungsverfahren. Zwischen 2025 und 2026 soll er über WeChat Kontakt zu chinesischen Personalvermittlern aufgenommen und sich nach einer besser bezahlten Stelle in China erkundigt haben. Im Februar 2026 reichte er schließlich seine Kündigung ein.
Am 28. März sowie am 4. und 5. April soll der Ingenieur das Firmengelände außerhalb seiner üblichen Arbeitszeiten erneut betreten haben. Dabei habe er eine private Insta360 X4 Air zwischen Snacks versteckt, um die Sicherheitskontrollen am Eingang zu umgehen. Laut der taiwanischen Zeitung Liberty Times fanden die Besuche an freien Tagen sowie spätabends oder am frühen Morgen statt.
Mit seinen weiterhin gültigen Zugangsdaten meldete sich der Beschuldigte demnach an einer internen virtuellen Arbeitsumgebung an und rief zahlreiche Unterlagen aus Forschung und Entwicklung auf. Die auf dem Bildschirm angezeigten Dokumente soll er anschließend mit der Actionkamera aufgenommen haben. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen am 15. April soll er auf diese Weise 32 Dateien beziehungsweise Aufnahmen mit Geschäftsgeheimnissen erlangt haben.
Aufgefallen ist die ungewöhnliche Form der Industriespionage Nanyas eigener IT-Sicherheitsabteilung. Die Mitarbeiter verglichen die Standorte auffälliger Funksignale mit den Aufzeichnungen der Zugangskontrolle und den Aktivitäten des dienstlichen Computers. Die Unstimmigkeiten lösten die Ermittlungen aus.
Am 15. Juni durchsuchte die zuständige Ermittlungsbehörde die Wohnung des ehemaligen Mitarbeiters und beschlagnahmte unter anderem die Actionkamera. Der Mann habe die Vorwürfe anschließend eingeräumt, berichtet die taiwanische Nachrichtenagentur CNA. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun Verstöße gegen das Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen sowie Untreue vor.
Belege dafür, dass die aufgenommenen Informationen tatsächlich an ein chinesisches Unternehmen oder andere Außenstehende gelangt sind, fanden die Ermittler bislang allerdings nicht. Eine unerlaubte Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen ist deshalb nicht Teil der Anklage. Für die ihm vorgeworfene Beschaffung der Daten zur Verwendung in China drohen dem Ingenieur nach taiwanischem Recht zwischen einem und zehn Jahren Haft.
Nanya reagiert mit einer knappen Stellungnahme auf die Anklage. Der Speicherhersteller verfolge bei Verletzungen seines geistigen Eigentums und beim Diebstahl, der Offenlegung oder dem Missbrauch von Geschäftsgeheimnissen eine Null-Toleranz-Politik. Gegen die Verantwortlichen wolle das Unternehmen alle angemessenen rechtlichen Schritte ausschöpfen.
Der Vorfall trifft Nanya in einer wirtschaftlich ausgesprochen erfolgreichen Phase. Im zweiten Quartal 2026 steigerte das Unternehmen seinen Umsatz binnen eines Jahres um 684 Prozent. Vor allem die gestiegenen Preise für DDR3 und DDR4 bescherten dem vergleichsweise kleinen DRAM-Hersteller einen hohen Gewinn. Gleichzeitig investiert Nanya verstärkt in neue Fertigungskapazitäten und modernere DRAM-Verfahren.