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Abschreckung: NATO plant digitales Schild aus Drohnen und KI an der Ostflanke
Ein riesiges NATO-Netzwerk aus Sensoren und KI-gestützten Drohnen soll Angriffe früh erkennen. Die Entscheidung über Schüsse bleibt angeblich beim Menschen.
Die NATO entwirft im Lichte der Herausforderungen moderner Kriegsführung eine grundlegende Modernisierung ihrer Abschreckungs- und Verteidigungskapazitäten an der Ostflanke. Bündnisvertreter untersuchen dabei auch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Steuerung von Drohnennetzwerken und zur Datenverarbeitung, wie das Nachrichtenportal Politico berichtet. Das strategische Ziel bestehe darin, eine umfassende digitale Gefechtsfeldarchitektur aufzubauen. Diese solle Bedrohungen entlang der Grenzen zu Russland und Belarus frühzeitig erkennen und mehr oder weniger automatisiert abwehren.
Die Ostflanke erstreckt sich vom Norden Finnlands bis hin zum Schwarzem Meer. Das Vorhaben bildet laut dem Bericht das Herzstück der Initiative „Eastern Flank Deterrence“ (EFDI). Militärbeobachter beschreiben diese als „übergreifendes Kriegführungskonzept“, das unbemannte Systeme, KI-gestützte Netzwerke und kosteneffiziente Fähigkeiten über alle Domänen hinweg integriert“.
Im Zentrum des Konzepts steht die Vernetzung von Tausenden Drohnen, Bodensensoren und Satelliten über Algorithmen. Das geplante Netzwerk soll mögliche Gebietsverletzungen des Bündnisgebiets in Echtzeit identifizieren und als erste Verteidigungslinie fungieren. Offiziere heben hervor, dass konventionelle Streitkräfte wie Panzer, Kampfflugzeuge und Artillerie weiter das Rückgrat der Verteidigung bilden sollen. Die KI-gestützte Technologie diene als Verstärker und Frühwarnsystem, nicht als Ersatz für klassische Waffensysteme.
Ein zentrales Prinzip von EFDI sei die Beibehaltung der Rolle des Menschen in der Entscheidungskette nach dem Motto „human in the loop“, schreibt Politico. Obwohl die Maschinen wichtige Aufgaben etwa bei der Navigation und der Zielidentifizierung übernähmen, verbleibe die letzte Entscheidung über einen Waffeneinsatz bei menschlichen Bedienern. Eine volle Autonomie der Systeme werde nicht angestrebt.
Das deckt sich prinzipiell mit den praktischen Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg. Auch dort setzen Soldaten und Tech-Firmen vermehrt auf KI-Komponenten. Sie betonen aber ebenfalls stets die Notwendigkeit menschlicher Kontrolle im Gefecht. Sowohl die ukrainischen als auch die russischen Streitkräfte verlassen sich nach wie vor in der Regel auf menschliche Drohnenpiloten.
Der Einsatz von KI soll vor allem dazu dienen, den Arbeitsaufwand der Drohnenbediener zu reduzieren. Das zeitraubende und monotone Verharren der umbenannten Flugobjekte über dem Gefechtsfeld zur Zielsuche lasse sich effektiv automatisieren, heißt es. Da nicht genügend Personal zur Verfügung stünde, um Hunderte oder Tausende Drohnen gleichzeitig manuell zu steuern, übernehme die Software die Flugsteuerung. Sobald aber die Entscheidung anstehe, welches Ziel angegriffen werde, sei der Mensch am Zug.
Kritiker des „In the loop“-Konzepts stellen indes die Handlungsfähigkeit des Menschen infrage, wenn ihn zunehmend KI-Systeme umgeben und seine Entscheidungen letztlich schon vorwegnehmen. Erkenne der Anwender die Überlegenheit der Maschine in solchen Situationen an, könne er den Schuss eigentlich nicht mehr verweigern.
Technisch soll sich der Ansatz auf das EFDI Data Backbone stützen, an dem das US-Militär innerhalb der NATO arbeitet. Diese Dateninfrastruktur verbinde die oft inkompatiblen Computer- und Führungssysteme der verschiedenen Mitgliedstaaten miteinander. So könnten Sensordaten von der Front ohne Verzögerung an Hauptquartiere und Truppenteile weitergeleitet werden.
Vorgesehen sei die Ablösung der traditionellen, linearen Entscheidungskette, der sogenannten Kill Chain, ist dem Bericht zu entnehmen. An ihre Stelle trete ein dynamisches „Kill Web“, in dem Informationen aus unterschiedlichsten Quellen rasch miteinander verknüpft und direkt an Waffensysteme oder Entscheidungsbefugte übermittelt würden. Gegner solcher Ansätze monieren,