// HEISE ONLINE — SPAZIO & SCIENZA
Russlands Starlink-Klon: Wie Moskaus Satellitennetz die Ukraine bedroht
Moskau baut im Eiltempo das Satellitensystem Rassvet auf. Die Technik bedroht die Ukraine und könnte künftig auch Europa vor neue Herausforderungen stellen.
Im Schatten des Krieges in der Ukraine wird das All zunehmend zum strategischen Schlachtfeld. Russland treibt den schnellen Aufbau eines eigenen, erdnahen Satelliteninternetsystems voran. Ukrainische Militärs und Regierungsberater zeichnen ein düsteres Bild von dem Projekt. Das System mit dem Namen Rassvet – russisch für Dämmerung – könnte das Kräfteverhältnis an der Front zugunsten Moskaus verschieben und die ukrainische Infrastruktur sowie militärische Stellungen völlig neuen Gefahren aussetzen.
Rassvet wird vom russischen Luft- und Raumfahrtunternehmen Buro 1440 entwickelt und ist dem US-amerikanischen Starlink-Netzwerk von Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX nachgebildet. Nachdem Kiew im bisherigen Verlauf des Krieges einen spürbaren Vorteil auf dem Schlachtfeld erlangen konnte, weil Starlink-Signale für russische Truppen im ukrainischen Gebiet auf Betreiben des angegriffenen Landes gesperrt wurden, sucht Moskau nun nach einer autonomen Lösung.
Die Blockade von Starlink hatte die russische Truppenkommunikation und die präzise Zielerfassung vorübergehend schwer beeinträchtigt. Nun will der Kreml diese Schwachstelle so schnell wie möglich durch eine eigene Satelliten-Konstellation ausgleichen.
Nach Angaben des stellvertretenden Chefs des ukrainischen Militärnachrichtendienstes, Generalmajor Wadym Skibizkyj, verläuft der Aufbau des russischen Systems deutlich schneller als eigentlich von Moskau skizziert. Bereits im März wurden die ersten 16 Satelliten der Rassvet-Reihe ins All befördert. Im Juli folgte ein weiteres Paket, dessen erfolgreiches Aussetzen Buro 1440 postwendend bestätigte.
Die künstlichen Erdtrabanten trennten sich demnach planmäßig von der Trägerrakete, traten in Kontakt mit dem Kontrollzentrum und nehmen nach Abschluss aller Systemprüfungen ihre Zielumlaufbahnen ein, um Kommunikationsdienste bereitzustellen. Derzeit befinden sich nach Einschätzung von Serhij Beskrestnow, einem Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, bereits rund 40 Rassvet-Satelliten im Orbit. Im Juni war es aber auch zu einem Absturz eines der ersten einschlägigen Himmelsobjekte gekommen. Ein zweiter Orbiter soll nach dem Start gleich wieder ausgefallen sein.
Die russischen Ausbaupläne sind ehrgeizig. Bis 2027 soll eine Konstellation von 292 Satelliten aufgebaut werden, die regelmäßig über Osteuropa kreisen. Bis 2035 soll das Netz sogar auf insgesamt 924 Satelliten anwachsen. Beskrestnow unterstrich gegenüber Politico, dass Russland das Prestigevorhaben im schnellstmöglichen Modus vorantreibe. Bereits jetzt, verdeutlichte auch Skibizkyj, verfüge das Rassvet-System über erste Teilfähigkeiten über ukrainischem Territorium.
Sobald das Netzwerk voll einsatzbereit ist, dürfte es für die Ukraine eine große Bedrohung darstellen. Russische Streitkräfte wären dann in der Lage, unbemannte Luftfahrzeuge und Drohnen im gesamten Land über eine direkte Online-Satellitenverbindung in Echtzeit zu steuern und für Angriffe einzusetzen. Doch die Reichweite der Technik geht über die ukrainischen Grenzen hinaus: Auch für Europa entsteht eine neue Sicherheitslage, da Moskau mit eigenen Satellitenterminals bestückte Drohnen weit außerhalb des eigenen Territoriums aus der Ferne präzise kontrollieren könnte.
Angesichts dieser wachsenden Gefahr erhöht Kiew den Druck auf Elon Musk. Die Ukraine fordert, dass SpaceX die Nutzung von Starlink-Signalen auch über russischem Staatsgebiet freischaltet. Bisher weigert sich der US-Konzern vehement, diesen Schritt zu gehen.
Eine solche Freigabe würde es den ukrainischen Streitkräften ermöglichen, Zielerfassungen für Raketen und Drohnen tief im russischen Hinterland zu verbessern, um etwa ballistische Abschussrampen effektiver zu bekämpfen. Führungskräfte der ukrainischen Rüstungsindustrie unterstreichen, dass eine solche Richtlinienänderung die Effizie