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Wie konnte eine winzige Gruppe Steinzeitbewohner tausend Jahre auf Malta bestehen?
Jäger und Sammler lebten vor rund 8.500 bis 7.500 Jahren auf Malta. Neue Modellierungen ergeben, dass die kleine Insel damals selbst unter günstigen Annahmen nur etwa 144 bis 170 Menschen ernähren konnte. Für eine langfristig stabile Bevölkerung war das zu wenig, und wiederholte Kontakte über mehr als 80 Kilometer offenes Meer dürften deshalb nötig gewesen sein.
Liverpool (England). Kleine und abgelegene Mittelmeerinseln galten lange als Lebensräume, die Jäger und Sammler kaum dauerhaft besiedeln konnten. Landwirtschaft wurde deshalb vielfach als Voraussetzung für eine langfristige Inselbesiedlung angesehen. Archäologische Funde auf Malta haben dieses Bild verändert. Sie belegen dort eine mesolithische Präsenz über einen Zeitraum von mindestens rund 1.000 Jahren.
Damit stellt sich die Frage, ob eine kleine Gruppe einmal nach Malta gelangte und anschließend isoliert überleben konnte. Eine andere Möglichkeit wären regelmäßige Kontakte mit größeren Populationen außerhalb der Insel. Ein internationales Team mit Forschern der University of Liverpool, des Max-Planck-Instituts für Geoanthropologie (MPI-GEA), der University of Malta und weiterer Einrichtungen hat diese Alternativen nun anhand von Klima-, Meeresspiegel- und Bevölkerungsmodellen untersucht.
„Die Fähigkeit zu Langstrecken-Seefahrten markiert einen bedeutenden Übergang in der Menschheitsgeschichte, bei dem zuvor unüberwindbare maritime Barrieren zu Grenzen neuer Verbindungen wurden. Im Mittelmeer sind Langstreckenfahrten über offenes Meer ohne Zwischenstopp erstmals im Mesolithikum belegt. Auf Malta haben wir eine kontinuierliche mesolithische Präsenz von mindestens 8.400 bis 7.400 Jahren vor heute dokumentiert. War dies jedoch eine zufällige Strandung oder steht es für ein bislang unbekanntes seegestütztes Netzwerk?“, erklärt Eleanor Scerri.
Für ihre Analyse rekonstruierten die Wissenschaftler die Veränderungen von Malta und Sizilien während der vergangenen 21.000 Jahre. Dazu kombinierten sie Meeresspiegelrekonstruktionen, moderne Daten zur Meerestiefe und hochaufgelöste Paläoklimamodelle. Aus Temperatur und Niederschlag ermittelten sie die Netto-Primärproduktion, also die Menge neu gebildeter Pflanzenbiomasse. Diese dient als Näherungswert für die ökologische Tragfähigkeit einer Landschaft.
Den Zusammenhang zwischen Umweltbedingungen und Bevölkerungsdichte kalibrierte das Team anhand ethnografischer Daten von 305 Jäger-und-Sammler-Populationen. Dabei berücksichtigten die Modelle auch die Entfernung zur Küste und unterschiedlich starke Beiträge von Fisch und anderen aquatischen Ressourcen zur Ernährung.
„Anders als Bauern sind Jäger und Sammler auf wilde, natürliche Nahrungsressourcen angewiesen, deren Häufigkeit in einer bestimmten Region weitgehend vom Klima bestimmt wird, wobei größere Flächen und produktivere Umwelten größere Populationen ernähren können. Indem wir den Zusammenhang zwischen den Populationsgrößen heutiger Jäger und Sammler und ihrer Umwelt modellierten, konnten wir mithilfe hochaufgelöster Paläoklimadatensätze mögliche frühere Populationsgrößen abschätzen. Malta war einst über eine Landbrücke mit Sizilien verbunden, doch diese wurde vor rund 14.000 Jahren überflutet. Dadurch wurde Malta abgetrennt und die Landfläche begrenzt, die Jäger-und-Sammler-Populationen ernähren konnte“, sagt James Blinkhorn.
Die Modellierung zeigt einen drastischen Rückgang der möglichen Bevölkerungsgröße nach dem Versinken der Landverbindung zu Sizilien. Für die Zeit des maltesischen Mesolithikums ergeben selbst die höchsten Schätzungen nur etwa 144 bis 170 Menschen. Das liegt deutlich unter den in der Fachliteratur diskutierten Größenordnungen für eine langfristig überlebensfähige, genetisch stabile Population.
Zugleich war Malta zu dieser Zeit längst durch eine breite Wasserfläche von Sizilien getrennt. Die kürzeste modellierte Seestrecke betrug vor rund 8.500 Jahren etwa 86 Kilometer. Die Berechnung berücksichtigt dabei keine Meeresströmungen und stellt deshalb led