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Mehr lesen, weniger Haft - Gefängnisinsassen in Brasilien haben einen überraschend einfachen Weg, um ihre Strafe zu verkürzen
Wer sich weiterbildet, darf früher gehen: In Brasilien gibt es ein Bücherprogramm für Gefängnisinsassen.
Brasilien hat nach den USA und China die größte Zahl an Gefängnisinsassen weltweit. Laut dem Institute for Crime & Justice Policy Research aus London saßen 2025 über 964.000 Menschen in dem südamerikanischen Land hinter Gittern. Die Zahlen steigen seit Jahren, dabei sind die Gefängnisse ohnehin schon überfüllt und gelten als Brutstätte von Gewalt, Drogenmisssbrauch und noch mehr Verbrechen: Die Rückfallquote liegt bei 85 Prozent.
Seit 1984 hat sich der brasilianische Staat allerdings verpflichtet, Gefangene auf die Rückkehr in die Gesellschaft vorzubereiten. Und seit 2012 können Häftlinge nicht nur ihre Arbeitszeit in eine Kürzung der Haftstrafe umwandeln, sondern auch gelesene Bücher.
Das Programm, das auch vom Unesco-Institut für Lebenslanges Lernen unterstützt wird, hat klare Vorgaben:
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Das Ziel des Programms ist es, das kritische Denken und die Autonomie der Gefängnisinsassen zu stärken, bevor sie aus der Haft entlassen werden. Man erhofft sich natürlich auch eine Senkung der hohen Rückfallquoten. Eine Studie gibt sogar an, dass die Häftlinge pro Jahr deutlich mehr Bücher lesen als der nationale Durchschnitt.
Unterstützung bekommen die lesenden Gefängnisinsassen außerdem vom brasilianischen Verlag Carambaia, der Bücher für die Gefängnisbibliotheken spendet und die Rezensionen der Häftlinge abdruckt.
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Dazu, wie erfolgreich das Buchprogramm ist, gibt es keine genaueren Zahlen. Aber es gibt in Brasilien auch noch ein viel radikaleres Projekt, dass die Probleme mit den dortigen Gefängnissen bekämpft. Die sogenannten APAC-Gefängnisse setzen auf das komplette Gegenteil zu den oft von Gewalt und Erniedrigung geprägten, normalen Haftanstalten.
Ohne bewaffnete Sicherheitskräfte sollen die Gefangenen hier mit Würde und Respekt behandelt werden und Eigenverantwortung entwickeln. APAC-Einrichtungen setzen auf eine Art Arbeitstherapie, die Insassen kümmern sich um Pflanzen und Nutztiere, häkeln, basteln und malen. Die Folge: Eine Rückfallquote von nur 15 Prozent. Und gelesen wird hier natürlich auch.