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Rätselhafte Bestattung in einem uralten ägyptischen Grab entdeckt
Nicht Chaos, sondern eine veränderte Ordnung prägte die jahrhundertelange Wiederverwendung eines altägyptischen Grabes bei Luxor. In einer Seitenkammer von TT 209 wandelten sich getrennte Sargbestattungen schrittweise zu dicht übereinanderliegenden Mumien, wobei ältere Bestattungen die Platzierung späterer Toter weiterhin mitbestimmten. Die Analyse macht damit sichtbar, wie sich Bestattungspraktiken verändern konnten, ohne dass die räumliche Ordnung des Grabes einfach verloren ging.
San Cristóbal de La Laguna (Spanien). Altägyptische Gräber wurden häufig über Generationen hinweg erneut geöffnet und für weitere Bestattungen genutzt, wodurch Körper, Särge und Grabbeigaben verschiedener Zeiten heute wie ungeordnete Ansammlungen wirken können. Auch andere Funde aus Theben-West belegen, dass Mumien und Särge später verlagert und neu zusammengestellt wurden.
Das Grab TT 209 liegt im südlichen Asasif der thebanischen Nekropole und wurde während der 25. Dynastie für Nisemro angelegt, einen hochrangigen Beamten nubischer Herkunft. Forscher der Universidad de La Laguna (ULL) um Dr. Jared Carballo-Pérez haben nun untersucht, wie eine seiner Seitenkammern bis in persische und ptolemäische Zeit immer wieder neu genutzt und räumlich umgestaltet wurde.
Dazu hat das Team die sogenannte Seitenkammer 3 mit archäothanatologischen Methoden ausgewertet, die Körperlage, anatomische Verbindungen, Schichtfolge, Sarggebrauch und räumliche Beziehungen zwischen Toten und Grabarchitektur gemeinsam berücksichtigen. Digitale Fotografien, Pläne, photogrammetrische Aufnahmen und osteologische Analysen dienten dazu, die Abfolge der Beisetzungen möglichst genau zu rekonstruieren.
In der Kammer dokumentierten die Forscher 16 menschliche Mumien in primärer oder teilweise primärer Lage sowie einen mumifizierten Caniden und zusätzlich ein stark verändertes Depot mit mindestens vier weiteren Menschen. Dieses Sekundärdepot war durch Feuer, Fragmentierung und spätere Umlagerungen geprägt, während sich die erhaltenen Körper und Überreste insgesamt neun Bestattungsdepots zuordnen lassen.
Die frühen Beisetzungen waren noch relativ klar voneinander getrennt und lagen in unterschiedlichen Bereichen der Kammer. Die Toten befanden sich überwiegend in Särgen, die Körper und Grabbeigaben zu einzelnen Einheiten zusammenfassten, darunter Amulette, Perlen, Keramik und phönizische Amphoren.
Ab der späten 25. Dynastie änderte sich diese Organisation schrittweise, weil neue Tote zunehmend in bereits belegten Bereichen niedergelegt wurden und ältere Körper, Särge sowie Sedimentschichten ihre Position mitbestimmten. In den persischen und ptolemäischen Phasen entwickelte sich daraus ein dichteres System, in dem Bestattungen häufiger direkt übereinanderlagen.
Mindestens sechs der neun Bestattungsdepots zeigen eine eindeutige vertikale Überlagerung, was einer wiederkehrenden Praxis und nicht nur einzelnen Zufallsfällen entspricht. Gleichzeitig verlor der Sarg seine frühere Funktion als wichtigster räumlicher Ordnungsrahmen, obwohl sich in sieben Depots noch direkte oder indirekte Hinweise auf Särge finden.
In den jüngsten Schichten fehlen klare Belege für solche Behälter vollständig, dennoch blieben die Körper sorgfältig mumifiziert und in erkennbare räumliche Beziehungen eingebunden. Der Wandel betrifft daher nach Ansicht der Autoren nicht einfach die Aufgabe älterer Bestattungsrituale, sondern vor allem die Art, wie der verfügbare Raum organisiert wurde.
Auch die Körperhaltung veränderte sich teilweise, während die Toten grundsätzlich in Rückenlage und entlang der Ost-West-Achse der Kammer orientiert blieben. Bei späteren Mumien treten häufiger über der Brust gekreuzte Arme auf, eine Haltung mit Bezügen zur Osiris-Ikonografie, die aber keinen eindeutigen Beleg für einen einheitlichen Ritualwandel liefert.