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Gamescom: 20 Jahre „Dwarf Fortress“: Warum das Spiel niemals fertig wird
„Dwarf Fortress“ war 16 Jahre lang gratis, erst dann kam die Steam-Version. Entwickler Tarn Adams über Geld, KI-Psychosen und ein Spiel ohne Ende.
Als „Dwarf Fortress“ im Dezember 2022 zum ersten Mal Geld kostete, war die Zwergenfestungs-Simulation bereits 16 Jahre alt. Bis dahin hatten die Brüder Tarn und Zach Adams ihr Spiel verschenkt und von Spenden gelebt. Inzwischen hat sich die Bezahlversion über eine Million Mal verkauft.
Auf der Gamescom in Köln zeigte Tarn Adams eine frühe Version des kommenden Updates „Myth & Magic“, das ein prozedural erzeugtes Magiesystem ins Spiel bringt. Über den Preis des Erfolgs, seine Ablehnung von KI und die Frage, wann das Spiel eigentlich fertig ist, hat heise online mit ihm gesprochen.
Tarn Adams entwickelt „Dwarf Fortress“ seit 2002 gemeinsam mit seinem Bruder Zach. Der promovierte Mathematiker brach 2006 einen Postdoc ab, um sich ganz dem Spiel zu widmen.
Herr Adams, Sie haben „Dwarf Fortress“ 16 Jahre lang verschenkt und erst nach aufkommenden Gesundheitssorgen eine Bezahlversion auf Steam veröffentlicht. Haben Sie sich vorher einfach nicht für Geld interessiert?
Wie erfolgreich die Steam-Version von „Dwarf Fortress“ wird, haben wir erst gesehen, als wir die Steam-Seite eingerichtet haben und die Wunschlisten-Einträge nach oben geschnellt sind. Vorher war völlig unklar, ob das Spiel wirklich gut ankommt. Der wichtigste Grund war aber, dass wir selbst überhaupt kein unternehmerisches Wissen hatten.
2014 kannte ich einfach niemanden und wusste nicht, wie man ein Steam-Spiel macht. Geld war ausreichend da, und dieses Gefühl von Dringlichkeit hatten wir damals noch nicht. Und dann wird man älter und denkt: Oh, ich muss mich eigentlich um mich selbst kümmern. Um 2018 herum haben wir entschieden, dass wir tatsächlich bei Kitfox unterschreiben können, und danach hat es bis 2022 gedauert, alles fertig zu bekommen.
Viel mehr Leute spielen das Spiel, und wir können weitermachen. Also weiter am Spiel arbeiten – und am Leben bleiben. Wir hatten bisher keinen medizinischen Notfall, für den wir das Steam-Geld wirklich gebraucht hätten, aber es ist da. Das ist eigentlich ein vernichtendes Urteil über das Gesundheitssystem der USA. Ich lebe inzwischen in Großbritannien. Dort gibt es den NHS, das funktioniert zum Glück anders.
Dann könnten Sie die Steam-Version jetzt ja auch verschenken.
Könnten wir wohl! Mein Bruder lebt aber noch in den USA. Und es kommt etwas dazu: Jetzt, wo wir Grafik und Musik haben, bezahlen wir mehr Leute. Wir können das Spiel nicht kostenlos machen, weil wir die Künstler und Programmierer halten wollen. Das alles kostet Geld. Wir stecken also inzwischen in diesem Ökosystem fest.