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Russische Radarfallen mit falscher Software und Hintertüren in der Slowakei
Mit 279 Radarfallen möchte die Slowakei Einnahmen aus Verkehrsstrafen verzehnfachen. Zunächst leugnete die Regierung, russische Geräte zu installieren.
Die Slowakei hat zahlreiche Radarfallen russischer Herkunft fix installiert, die mehrfach unsicher sind und bei der Zertifizierung der Messsoftware betrogen haben. Zudem enthalten sie gleich mehrere Hintertüren. Das hat die für Datensicherheit zuständige Behörde des Landes, NBÚ (Národný bezpečnostný úrad) aufgedeckt.
Das NBÚ warnt öffentlich vor dem Einsatz stationärer Radargeräte mit Kamera der Typen Modell NERO R-ONE, vorgeblich von der zypriotischen Briefkastenfirma Sodasus, Modell Cordon der kroatischen Firma NEROline, sowie Modell Cordon der russischen Firma Simicon. Bei allen dreien handelt es sich laut NBÚ-Erkenntnissen tatsächlich um das gleiche Produkt Simicons.
Die Slowakei hat 30 Millionen Euro aus EU-Mitteln erhalten, um ihr Straßenüberwachungssystem zu erneuern. Dafür hat sie 279 dieser ortsfesten Radargeräte mit Kamera besorgt. Das erklärte Ziel ist eine Verzehnfachung der Einnahmen aus Verkehrsstrafen. Berichte, wonach es sich tatsächlich um russische Geräte handle, stellte die Regierung zunächst in Abrede.
Das NBÚ hat sich eines der Geräte ausgeborgt und oberflächlich untersucht. Dabei erwies sich der Vorwurf als wahr; lediglich Marke und Modellbezeichnung seien geändert worden. Schlimmer noch: Die Radargeräte nutzen die zertifizierte Software für Geschwindigkeitsmessungen gar nicht und sind sicherheitsmäßig ein Desaster.
Das Gerät gibt laut technischem Bericht vor, für die Geschwindigkeitsmessung per Radar zertifiziert zu sein. Und tatsächlich befindet sich auf dem installierten Datenträger eine Datei, deren Prüfsumme zu einem slowakischen Zertifikat passt.
Allein, die Datei ist unbrauchbar. Zum einen ist sie vor Erstellung der Prüfsumme durch Manipulation unbrauchbar gemacht worden, zum anderen wäre sie, ohne Manipulation, für x86-Prozessoren gedacht. Die Geräte haben jedoch damit inkompatible ARM-Prozessoren. Die Fahrzeuggeschwindigkeiten werden von einer völlig anderen Software berechnet, die nicht zertifiziert ist.
Die Regierung hat angegeben, dass die Kameras nur über ein staatliches Intranet erreichbar wären. Tatsächlich aber gibt es zahlreiche zusätzliche Zugriffsmethoden. Dazu zählen direkt am Gerät installierte, frei zugängliche Kabelanschlüsse, Infrarot, Bluetooth (allesamt nicht näher untersucht) sowie aktives WLAN. Dieses ist zwar passwortgeschützt, erlaubt aber Verbindungsaufbau mittels WPA, was seit spätestens 2009 geknackt ist.
Laut Dokumentation verfügen die Überwachungsgeräte über ein 3G/4G-Mobilfunkmodem. Tatsächlich hat das NBÚ noch ein nicht dokumentiertes, zweites 3G/4G-Modem gefunden. Schwer war das nicht, gibt es doch je einen von außen, außerhalb des Sichtbereichs der Kamera zugänglichen Slot für eine SIM-Karte. Diese Slots waren im ausgeborgten Gerät leer. Praktischerweise sind im Gerät mehrere russische Telefonnummern fix eingestellt; von diesen Absendern nimmt das Gerät ohne weitere Prüfung Befehle per SMS entgegen und führt sie aus.
Außerdem hat der Hersteller zwei OpenVPN-Verbindungen mit fix eingestellten Zugangsdaten einprogrammiert. Die Verwaltung des Geräts soll über ein unsicheres Webinterface erfolgen. Doch hat das NBÚ festgestellt, dass über telnet und ssh ein Administrator-Zugang erreichbar ist, dessen Zugangsdaten ebenfalls vom Hersteller fix vorgegeben sind. Wer diesen Zugang nutzen möchte, um beispielsweise den Livestream der Kamera abzugreifen, hat die Qual der Wahl: Serielles Anschluss am Gerät für eine Konsole, WLAN aus der Nähe, Netzwerkverbindung am Gerät oder aus der Distanz (mit oder ohne VPN), und, nach Einschub von SIM-Karte, über eines von zwei Mobilfunkmodems.