// HEISE ONLINE — INTELLIGENZA ARTIFICIALE
Wie OpenAI die Cybersecurity mit fiesen Tricks vor den eigenen Karren spannt
OpenAIs Cybersecurity-Aufruf ist ein manipulativer Trick. Denn natürlich brauchen wir mehr Security – aber nicht zwingend von denen, meint Jürgen Schmidt.
(Bild: Stock all / Shutterstock.com / Nachbearbeitung heise medien)
This article is also available in
English.
It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
OpenAI hat mit einem geschickten Schachzug fast die gesamte IT-Branche hinter sich versammelt: Von A wie Anthropic bis Z wie Zürich (die Versicherungen) unterstützen alle den Aufruf, dass wir jetzt sofort und dringend bessere Cybersecurity brauchen. Dabei nutzt OpenAI einen fiesen Taschenspielertrick, um der eigentlichen Botschaft Dringlichkeit zu verschaffen: „Kauft unsere Produkte! Jetzt. Sofort. Sonst werdet ihr untergehen!“
Jürgen Schmidt - aka ju - ist Leiter von heise Security und Senior Fellow Security des Heise-Verlags. Von Haus aus Diplom-Physiker, arbeitet er seit über 25 Jahren bei Heise und interessiert sich auch für die Bereiche Netzwerke, Linux und Open Source. Sein aktuelles Projekt ist heise Security Pro für Sicherheitsverantwortliche in Unternehmen und Organisationen.
In Expertenkreisen herrscht weitgehend Einigkeit, dass die IT-Sicherheit gerade wegen der neuen Fähigkeiten von KI-Systemen in eine existenzielle Krise schlittert. Und dass wir uns in einem enorm wichtigen, aber kurzen Zeitfenster befinden, in dem wir noch entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung nehmen können. Es herrscht Konsens, dass Verteidiger ihre Security jetzt substanziell verbessern müssen, um absehbar katastrophale Verwerfungen zu verhindern. Das ist wohl auch der Punkt, mit dem OpenAI es geschafft hat, diese Phalanx von über hundert Unternehmen hinter sich zu vereinen.
Eine seriöse Herangehensweise an diese Situation wäre da jetzt Folgendes: Man macht eine Bestandsaufnahme, identifiziert konkrete Problemfelder und mögliche Lösungen dafür. Die sortiert man nach Prioritäten: offensichtliche Quick-Wins zuerst, dann die etwas aufwendigen Dinge, die aber einen großen Hebel haben und deshalb viel bewirken, und so weiter. Das ist kein beschauliches „Wir gründen erstmal einen Arbeitskreis ...“, sondern integraler Bestandteil jeder effizienten Strategie zur Krisenbewältigung. In der ersten Panik in die falsche Richtung zu laufen, ist der eine, naheliegende Fehler, den man da unbedingt vermeiden muss.
Doch bewährte Krisenbewältigung ist nicht das, was OpenAI als alternativlose Lösung des Problems vorschlägt. Da liest man – etwa im Aufruf an Regierungen:
„Stellen Sie Mittel für die Cyberabwehr bereit, angefangen bei den systemrelevanten Diensten, denen es an Personal oder finanziellen Mitteln mangelt, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.“
Ja, genau – da sind wir noch im Konsensbereich. Das ist eine unbestreitbar sinnvolle Forderung. Doch direkt danach kommt OpenAIs eigentliche Botschaft: