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Keramik aus Nordwestarabien wurde schon in der Bronzezeit zur Marke
Marken sind offenbar weit älter als moderne Unternehmen. Eine neue Analyse der Qurayyah Painted Ware aus Nordwestarabien zeigt, dass sich die bemalte Keramik vor rund 3.200 Jahren zu einem standardisierten und überregional gehandelten Produkt mit klarer visueller Identität entwickelte. Archäologen sehen darin ein frühes Beispiel gezielter Markenbildung.
Wien (Österreich). Marken werden heute mit Logos, Verpackungen und Werbung verbunden. Archäologen diskutieren aber schon länger, ob auch vormoderne Waren durch Herkunft, Aussehen und Ruf eine vergleichbare Wiedererkennbarkeit entwickeln konnten. Bei Keramik suchte man solche Hinweise bisher häufig in Siegeln, Inschriften oder anderen nachträglich angebrachten Zeichen.
Die Qurayyah Painted Ware, kurz QPW, kommt ohne solches Etikett aus. Ihre Identität steckt nach Ansicht der Autoren im Produkt selbst. Die zweifarbig bemalten Gefäße wurden über viele Jahrhunderte in der Oase Qurayyah im Nordwesten der Arabischen Halbinsel hergestellt. Vor allem die vierte Entwicklungsstufe QPW 4 erhielt ein standardisiertes Erscheinungsbild und gelangte weit über den Herstellungsort hinaus.
Forscher der Universität Wien um Dr. Marta Luciani haben die Entwicklung dieser Keramik nun mit technologischen, petrographischen und geochemischen Methoden rekonstruiert. Für die lokale Vergleichsbasis untersuchte das Team 40 Proben aus Qurayyah. Darunter waren 36 Stücke der frühen Gruppen QPW 1 und QPW 2 aus dem Umfeld eines Töpferofens sowie vier ältere oder jüngere Proben. Hinzu kamen neun Scherben aus Tell el-Kheleifeh in Jordanien und Vergleichsdaten von 200 Proben einer ähnlich aussehenden Keramik aus Pella.
Die Dünnschliffanalysen zeigen, dass die wichtigsten Materialgruppen aus Qurayyah zur lokalen Geologie passen. Auch die Neutronenaktivierungsanalyse, mit der Spurenelemente als chemischer Fingerabdruck erfasst werden, ergab charakteristische Gruppen für die Produktion der Oase. Drei QPW-4-ähnliche Scherben aus Tell el-Kheleifeh stimmen klar mit einer dieser Qurayyah-Gruppen überein. Die Forscher werten dies als starken Hinweis darauf, dass diese Gefäße tatsächlich aus Qurayyah exportiert wurden.
„Tatsächlich konnten wir zeigen: Die charakteristisch bemalten Keramikfunde kommen aus Qurayyah. Sie wurden nicht bloß imitiert, sondern tatsächlich über weite Strecken transportiert und gehandelt“, sagt Johannes H. Sterba.
Die frühesten untersuchten Stufen QPW 1 und QPW 2 entstanden vor etwa 3.600 Jahren. Schon damals nutzten die Töpfer lokale Rohstoffe und entwickelten eigene Rezepte und Herstellungstechniken. In den folgenden Jahrhunderten blieb die Produktion in Qurayyah verankert, während Formen und Dekorationen weiterentwickelt wurden. Etwa 300 bis 400 Jahre später entstand mit QPW 4 eine besonders einheitliche Serie mit auffälligen zweifarbigen Motiven.
Um den Begriff Marke nicht nur bildlich zu verwenden, definieren die Autoren acht Kriterien. Dazu zählen visuelle Identität, gleichartige Rohstoffe, technologische Kontinuität, zentralisierte Produktion, Export, lokale Nachahmungen, eine gezielte kommerzielle Ausrichtung und kultureller Ruf. Für QPW 4 sehen sie diese Merkmale gemeinsam erfüllt. Produktionsabfälle und überfeuerte Gefäße belegen die Herstellung in Qurayyah. Die große Zahl standardisierter Stücke deutet zudem auf eine Produktion hin, die über den lokalen Bedarf hinausging.
Die Keramik war zugleich mehr als reine Gebrauchsware. Ihre Dekorationsregeln tauchen nach der Studie auch in anderen Materialien auf, etwa in Steinobjekten, Schmuck und Miniaturen. Damit bekam das Erscheinungsbild einen Wiedererkennungswert, der über einzelne Gefäßformen hinausging. Für die Forscher spricht diese Verbindung aus Herkunft, standardisierter Gestaltung, Export und Nachahmung dafür, QPW 4 als frühes Markenprodukt zu verstehen.
Die Analysen setzen dieser Deutung zugleich Grenzen. Bisher ist die chemische Übereinstimmung mit Qurayyah außerhalb der Oase nur für einzelne Stücke sicher nachgewiesen. Das