// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Kein Handys mehr an Frankreichs Schulen - auch nicht in der Oberstufe
Willkommen zurück - heißt es heute an französischen Schulen. Mit einer Neuerung: Nun gilt für alle Jahrgänge ein Handyverbot, auch für die Oberstufe. Aber wie setzt man das um, wenn die Schulkommunikation digitalisiert wurde?
Der 15-jährige Gabriel Krafft hat die großen Sommerferien weitgehend auf dem Surfbrett in der Bretagne verbracht. Jetzt, nach über acht Wochen, geht die Schule wieder los und Gabriel wechselt in Paris vom Collège aufs Lycée. Von der neuen Regel hat er erst vor ein paar Tagen erfahren. "Ich hatte dieses Handyverbot schon im Collège und das kann ich auch verstehen, weil wir kleiner waren. Aber im Lycée finde ich es echt übertrieben."
Gabriel hat eine deutsche Mutter und einen französischen Vater. Für seinen Geschmack ist das französische Schulsystem mit den langen Unterrichtstagen und den vielen Prüfungen ohnehin schon streng genug. Seit er in der sechsten Klasse sei, gebe es immer mehr Regeln, so Krafft. Er findet, je mehr Regeln und vor allem strengere Regeln es gibt, desto weniger würden diese respektiert.
Nun ist es an den Lehrern und Lehrerinnen, das Handyverbot an der Schule durchzusetzen. Wohin mit den verbannten Handys? Ausgeschaltet in den Rucksack? Oder lieber in einen verschließbaren Spind. Wäre für solch eine Anschaffung überhaupt genug Geld da?
Francois Resnais, Schulleiter an einem Lycée in Paris und Vertreter der Lehrergewerkschaft, gibt zu, man sei nicht vorbereitet. "Wenn wir es vor den Ferien gewusst hätten, vielleicht. Ich hätte jetzt also gerne ein bisschen Zeit, um die neue Regel im Kollegium und vor der Schülerschaft zu erklären und festzulegen, wie wir das Verbot umsetzen." Dürfe es zum Beispiel Zonen geben, in denen die Handys genutzt dürften? "Schließlich sollen wir seit Jahren alle Abläufe digitalisieren und jetzt müssen wir sehen, wie wir ohne Handys klarkommen", so Resnais.
In Frankreich könnte es bald ein Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren geben.
mehr
Und dann die Frage der Strafen. Schließlich ist ein Verbot ohne Sanktionen zwecklos. "Das darf nicht völlig unverhältnismäßig sein", meint Resnais. Das wäre kontraproduktiv. "Wir wollen alle weniger Handys, aber wenn das bedeutet, dass ich hier einen riesigen Strafenkatalog aufmachen und Personal zur Verfügung stellen muss, um lückenlose Kontrolle zu garantieren, stellen wir es falsch an."
Der hauptsächliche Handykonsum finde ohnehin in der Freizeit statt, merkt der Schulleiter an. Doch eine Mehrheit der erwachsenen Franzosen befürwortet das flächendeckende Handyverbot an Schulen. Schüler Gabriel hingegen findet, man solle lieber mehr Geld in Personal und Ausstattung der Schulen stecken, statt in Handyschließfächer. "Die Regierung kümmert sich gar nicht genug um unsere Schulen in Frankreich und wenn ich meine Schule sehe, dann finde ich, dass diese Regel gar nicht die Priorität ist."
Ein Handyverbot kann laut einer neuen Studie das soziale Klima in Schulen verbessern.
mehr
Doch die Lycées, die das Handyverbot bereits vor Jahren freiwillig eingeführt haben, ziehen oftmals eine positive Bilanz, räumt Schulleiter Resnais ein. Ein Kollege habe ihm berichtet, dass sie seit dem Handyverbot die Mittagspause verlängern mussten, weil die Schüler und Schülerinnen sich wieder miteinander unterhielten.