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Astronomie - Astronomen ringen um Namen: Kein Planet, kein Stern, kein Mond – die Weltraum-Premiere einer komplett neuen Klasse von Objekten im Universum
Planeten, Monde, Sterne – wir sehen sie am Nachthimmel. Doch jetzt haben Forscher eine komplett neue Klasse von Objekten aufgetan. (Adobe Firefly, generative KI)
Das Universum kettet den Mond an die Erde. Geschmiedet durch Gravitation gibt es vor ihr für unseren Trabanten kein Entkommen. Die Erde selbst liegt in den Ketten der Sonne, ebenso wie all die anderen Planeten, Asteroiden und Kometen. Dieses Muster wiederholt sich unzählige Male dort draußen um andere Sterne – doch jetzt haben wir erstmals eine Abweichung davon entdeckt.
Forscher haben ein massereiches Objekt beobachtet, das in 72 Lichtjahren Entfernung einen düsteren Giganten umkreist. Das Duo weicht derart von allem uns Bekannten ab, dass es eine Ergänzung der Lehrbücher erzwingt.
Der etwa eine halbe Sonnenmasse schwere Stern CD-35 2722 A hat einen Begleiter: CD-35 2722 B. Und diesen umkreist wiederum ein gasförmiger Körper mit einer Masse von mindestens rund 0,9 Jupitern. Für einen Umlauf braucht er etwa 170 Tage. Doch weder letzteres Objekt noch CD-35 2722 B entsprechen dem Erwartbaren.
Denn CD-35 2722 B ist nämlich gar kein Stern, sondern ein Brauner Zwerg mit um die 31 Jupitermassen. Darunter verstehen Forscher gescheiterte Sterne: zu schwer für einen bloßen Gasriesen, aber weit entfernt von der Masse selbst der kleinsten Sterne (rote Zwergsterne, M-Klasse). Von der Größe her sind sie indes durchaus vergleichbar mit Gasriesen wie eben Jupiter – dabei jedoch deutlich dichter und daher schwerer.
Ehe wir zu dem mysteriösen Objekt in seinem Orbit kommen, schauen wir uns die Natur von Braunen Zwergen an – nur so erschließt sich uns nämlich die wahre Tragweite des neuesten Rätsels der Astronomie.
So stellt sich ein Künstler das 72 Lichtjahre entfernte System vor. Rechts der junge Braune Zwerg – wenn auch wohl etwas zu hell glühend –, in der Mitte der Exosatellit und im Hintergrund der reguläre Stern vom Typ M.
(Bildquelle: ESO/M. Kornmesser)
Braune Zwerge leuchten nicht hell strahlend wie Sterne, sondern glimmen nur fahl. Ohne das Licht von CD-35 2722 A wäre der Braune Zwerg für unser bloßes Auge nahezu unsichtbar. Einzig junge Braune Zwerge gäben nämlich genug sichtbares Licht ab, dass sie für uns wie matt glühende Kohlen aussähen – zumindest wenn wir direkt vor ihnen stünden.
Die Grenze zwischen Nur-Gasriese und Brauner Zwerg liegt bei etwa 13 Jupitermassen. Damit aus ihnen M-Zwergsterne werden, braucht es etwa 75 Jupitermassen. Sterne bringen ausreichend Masse zusammen, um Gas derart zusammenzupressen, dass Atomkerne beginnen zu fusionieren: Der galaktische Hochofen zündet. Der Stern beginnt die freiwerdende Energie in Form von Licht abzustrahlen.
Braune Zwerge verfügen kurz nach ihrer Ausformung ebenfalls über genügend Druck, um die Kernfusion einzuleiten. Sie scheitern jedoch daran, das Fusionsfeuer am Laufen zu halten. Es lodert nur für kosmisch kurze Zeiträume (wenige Millionen Jahre) auf, ehe es erlischt. Den Grund hierfür finden wir beim Brennstoff. Braune Zwerge fusionieren das Wasserstoffisotop Deuterium – was auch wir in Fusionskraftwerken nutzen wollen.