// TAGESSCHAU INLAND — CRONACA
Vor den Wahlen in Ostdeutschland: Engagiert - und trotzdem machtlos
Ob Fußballverein in Berlin, Krankenhausinitiative in Sachsen-Anhalt oder Bürgermeister in Mecklenburg-Vorpommern: Sie alle wollen etwas bewegen - und stoßen dabei immer wieder an Grenzen. Das kann Vertrauen in die Politik kosten.
Der Berliner Fußballverein Hansa 07 hat etwa 1.700 Mitglieder und 81 Mannschaften. Vor allem für Kinder und Jugendliche ist der Verein mehr als ein Ort für Training und Punktspiele. Doch die Infrastruktur hält mit dem Wachstum längst nicht mehr Schritt. Der Sportplatz ist in schlechtem Zustand, Umkleiden, Duschen und Toiletten reichen nicht aus. Eine grundlegende Sanierung lässt seit Jahren auf sich warten.
Weil die Sanierung nicht vorankam, wollten die Vereinsmitglieder die Sache selbst in die Hand nehmen. Vor drei Jahren entwickelte ein Projektteam einen eigenen Entwurf für ein neues Vereinsheim und beschäftigte sich mit Finanzierung und Fördermitteln. Zunächst sei die Idee auf Zustimmung gestoßen, danach aber im Sande verlaufen, berichtet die stellvertretende Vereinsvorsitzende Katharina Janke-Wagner. "Wir beißen uns seit einigen Jahren die Zähne aus und hängen zwischen den Behörden fest."
Fast 27 Millionen Menschen engagierten sich 2024 ehrenamtlich - vier Millionen weniger als noch 2019
mehr
Das Problem: Für den Fußball ist das Sportamt des Bezirks zuständig. Das Grundstück gehört dem Land Berlin, die Gebäude fallen in die Zuständigkeit der Senatsverwaltung, verwaltet wird die Liegenschaft von der Berliner Immobilienmanagement GmbH, kurz BIM.
Wie wenig praktikabel Lösungen dabei mitunter ausfallen, zeigen mehrere weiße Dusch- und Toilettencontainer auf dem Vereinsgelände. Sie wurden auf Veranlassung des Sportamts aufgestellt, um die Raumnot zu lindern. Allerdings fehlten Wasser- und Stromanschlüsse. Nach Angaben des Vereins dauerte es zudem rund ein Jahr, bis Hansa 07 überhaupt einen Schlüssel bekam. Die Container werden deshalb bis heute nicht als Duschen genutzt, sondern teilweise als Lagerfläche; einen hat der Verein zu einem kleinen Verkaufsstand umgebaut.
Ohne Wasseranschluss sind die mobilen Container zum Duschen nicht geeignet. Stattdessen stapeln sich die Kartons.
"Es scheitert selten am Engagement der Menschen, eher an den äußeren Gegebenheiten", sagt Janke-Wagner. Schriftliche Anfragen, Gespräche mit BIM und Stadtrat, E-Mails, Telefonate und Behördentermine - der Verein habe vieles versucht. Ein beträchtlicher Teil der ehrenamtlichen Arbeit fließe inzwischen in den Umgang mit der Verwaltung statt in den Fußball.
Man beiße sich an den Behörden die Zähne aus, sagt Katharina Janke-Wagner (links).
In Berlin treffen sich junge Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus ganz Deutschland.
mehr