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PISA 2025: Wer nicht (intensiv) lesen kann, kann auch nichts lernen
Die Lesekompetenz hat abgenommen und das erschwert den Aufbau auch anderer Kompetenzen. PISA 2025 vermutet Zusammenhänge mit schnell getakteten Feeds.
Wer lesen kann, ist schwer im Vorteil. Schnell und frotzelnd daher gesagt, scheint das doch eine der wichtigsten Mahnungen der jüngsten PISA-Erhebung zu sein. Sehr deutlich weist PISA 2025 auf die abnehmende Lesekompetenz in den OECD-Ländern hin. Diese sei massiv, obwohl sie gerade in Zeiten von künstlicher Intelligenz (KI) besonders wichtig sei. Ein Zusammenhang zwischen abnehmender Lesekompetenz und veränderten Lesegewohnheiten durch schnell getaktete Social-Media-Feeds und andere digitale Angebote wird vermutet.
Um auch hierfür wohl mehr Evidenz zu erhalten, brachte die PISA-Erhebung 2025 neben den klassischen Kompetenzbereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen auch erstmals eine neue Prüfkategorie mit sich: „Lernen in der digitalen Welt“ (LDW). Darin wurden unter anderem selbstreguliertes Lernen und algorithmisches Problemlösen mit digitalen Werkzeugen geprüft. Detaillierte Ergebnisse zu diesem Bereich sollen allerdings erst im Herbst 2027 veröffentlicht werden. So zeichnen die ersten Veröffentlichungen erst einmal die großen Linien nach.
Dem Generalsekretär der OECD, Mathias Cormann, zufolge zeigt PISA 2025 ein uneinheitliches Bild. Nach einem beispiellosen Leistungsrückgang in der PISA-Erhebung 2022 hätten die Lernergebnisse in vielen Ländern weitgehend stagniert oder sich weiter verschlechtert. In Naturwissenschaften, dem Schwerpunktbereich von PISA 2025, hätten sich die Leistungen in den vergangenen zehn Jahren allerdings „als vergleichsweise stabil“ erwiesen.
Im Bereich Mathematik sei die Lage wieder schlechter. „Im OECD-Raum sank die durchschnittliche Punktzahl zwischen 2015 und 2025 um 22 Punkte“, erklärte er. Der stärkste Rückgang sei indessen bei der Lesekompetenz zu verzeichnen. Hier seien die Leistungen zwischen 2015 und 2025 in den OECD-Ländern um 28 Punkte und in den Nicht-OECD-Teilnehmerländern um 16 Punkte gesunken. Dieser Trend sei besonders besorgniserregend, da „Lesekompetenz eine Grundvoraussetzung für das Lernen in allen anderen Fächern ist. In einer zunehmend digitalen Welt ist Lesekompetenz von entscheidender Bedeutung, um Informationen zu finden, zu bewerten, zu interpretieren und über sie zu reflektieren.“ Es sei gut sichtbar, dass dort, wo die Lesekompetenz schlecht ist, auch in anderen Bereichen schwächere Ergebnisse zu verzeichnen sind.
Die deutschen PISA-Ergebnisse in den drei großen Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen sind im Vergleich zu PISA 2022 weiter gesunken und liegen somit auch niedriger als bei der ersten PISA-Studie im Jahr 2000. Insgesamt erreichten die in Deutschland getesteten Schüler in Naturwissenschaften im Durchschnitt 486 Punkte, im Lesen 465 Punkte und in Mathematik 464 Punkte. 2022 waren es 492 in Naturwissenschaften, 480 im Lesen und 475 in Mathematik.
Einen Hinweis auf veränderte Lesegewohnheiten zeigen die Ergebnisse zu „flüchtigem Lesen“: Der Anteil der „flüchtig Lesenden“ – Schülerinnen und Schüler, die Texte hastig überfliegen und vorschnell falsche Antworten geben – habe sich zwischen 2018 und 2025 nach OECD-Angaben global nahezu verdoppelt. OECD-Direktor für Bildung und Kompetenzen, Andreas Schleicher, führte hierzu in seinem Vorwort zu einem deutschen Auszug der Ergebnisse aus: „Wir können es nicht mit Gewissheit sagen, doch möglicherweise beeinträchtigen das immer seltenere Lesen zum Vergnügen und die Verlagerung hin zum digitalen Lesen – das Überfliegen von Social-Media-Feeds und die rasche Verarbeitung von Informationen – die Fähigkeit der Schüler*innen, sich mit komplexen Texten und Daten auseinanderzusetzen.“ In der Pressekonferenz zur Veröffentlichung wies er auch darauf hin, dass die Untersuchungen unter anderem ein deutlich verändertes Freizeitverhalten von Jugendlichen zeigten. Sie seien stärkere Konsumenten von Feeds geworden und kreierten dabei selbst immer weniger.
Schleiche