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PISA-Ergebnisse entfachen neue Bildungsdebatte
Die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie lassen sich nicht schönreden: Bildungsexperten, Politiker und gesellschaftliche Akteure zeigen sich deshalb einhellig alarmiert und fordern politische Konsequenzen.
Das schlechte Abschneiden deutscher Schülerinnen und Schüler bei der aktuellen PISA-Studie kommt für viele Beobachter zwar nicht überraschend, trotzdem schlagen die Ergebnisse hohe Wellen. Denn in zentralen Kompetenzbereichen liegen die Werte teilweise unter denen aus dem Jahr 2000 - die damals erhobenen und 2001 vorgestellten Ergebnisse hatten als sogenannter PISA-Schock Gesellschaft und Politik in Aufregung versetzt.
Nun werden erneut aus allen Richtungen grundlegende Veränderungen in der Bildungspolitik gefordert - insbesondere mit Blick auf die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen.
Historischer Tiefpunkt bei PISA: Jeder dritte deutsche Jugendliche hat Probleme beim Lesen und Rechnen.
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Aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist jetzt ein "radikales Umsteuern" nötig. "Es ist ein handfester Skandal, dass wir in Deutschland nach wie vor solche Probleme mit Chancenungleichheit und Bildungsungerechtigkeit haben", sagte GEW-Vorstandsmitglied Anja Bensinger-Stolze. Sie schlägt einen "Masterplan gegen Bildungsarmut und soziale Ungerechtigkeit" vor, unter anderem mit einer deutlich besseren Finanzierung.
Auch das Deutsche Kinderhilfswerk forderte Bund, Länder, Kommunen und Schulen auf, einen wesentlich stärkeren Fokus auf die Bildungsgerechtigkeit zu legen. Die Benachteiligung von Kindern aus Familien, die von Armut betroffen sind, widerspreche dem Recht jedes Kindes auf diskriminierungsfreien Zugang zu Bildung und auf bestmögliche Entwicklung.
Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek nahm die Bundesregierung in die Pflicht und warf ihr Versagen bei der Bildungsgerechtigkeit vor. Der Rheinischen Post sagte sie, dass der Bildungserfolg in Deutschland so stark von der sozialen Herkunft abhänge, mache wütend: "Ein Staat, der an einem Bildungssystem wie aus der Kaiserzeit festhält, wird seine Kinder weder für die Zukunft fit machen noch die verheerende soziale Spaltung überwinden."
Spätestens mit vier Jahren sollen Daten zum Entwicklungsstand der Kinder erhoben werden.
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Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Natalie Pawlik, forderte als Konsequenz aus den PISA-Ergebnissen ein verpflichtendes letztes Kita- oder Vorschuljahr. "Sprachfähigkeiten und soziale Kompetenzen sind zwei wichtige Voraussetzungen für den Schulalltag", sagte die SPD-Politikerin der Nachrichtenagentur dpa. Ein verpflichtendes Jahr könne helfen, diese Voraussetzungen zu schaffen. Pawlik sprach sich auch für verpflichtende Sprachstandserhebungen aus. Sie könnten helfen, individuellen Förderbedarf früh zu erkennen.
Pawliks SPD-Bundestagsfraktion rief angesichts der PISA-Ergebnisse nach einem Krisentreffen auf Bundesebene. "Nach diesen Ergebnissen können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagte die stellvertretende Fraktionschefin Dagmar Schmid. "Wir erwarten von Bundesbildungsministerin Karin Prien, dass sie jetzt die Initiative ergreift. Deutschland braucht einen Bildungsgipfel von Bund, Ländern und Kommunen", fügte sie hinzu. Bei einem solchen Treffen müssten konkrete gemeinsame Konsequenzen aus den Ergebnissen gezogen werden. "Bildungsföderalismus darf keine Ausrede für Stillstand sein."