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Milliardärssteuer könnte Millionen Todesfälle verhindern
Globale Umverteilung als Gesundheitshebel: Eine Steuer von drei Prozent auf sehr große Vermögen könnte laut einer neuen Modellstudie bis 2030 rund 29,5 Millionen Todesfälle vermeiden. Grundlage sind historische Zusammenhänge zwischen Entwicklungshilfe und Sterblichkeit in 59 Ländern mit niedrigem oder unterem mittlerem Einkommen sowie zehn simulierte Finanzierungsmodelle. Die Schätzung ist deshalb kein direkt gemessener Steuereffekt.
Salvador (Brasilien). Humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe finanzieren in vielen ärmeren Ländern Impfungen, Medikamente, Ernährungshilfen, sauberes Wasser und weitere grundlegende Leistungen. Werden diese Mittel gekürzt, kann das die gesundheitliche Versorgung besonders dort treffen, wo nationale Budgets wenig Spielraum lassen. Gleichzeitig konzentriert sich ein wachsender Teil des weltweiten Vermögens auf sehr wohlhabende Privatpersonen und große Unternehmen.
Wie stark beide Entwicklungen zusammenhängen könnten, haben Wissenschaftler nun mit historischen Daten und Modellrechnungen untersucht. Dabei geht es nicht darum, die Wirkung einer konkreten Steuer direkt zu messen. Die Forscher verknüpften vielmehr den bisherigen Zusammenhang zwischen internationaler Entwicklungshilfe und Sterblichkeit mit möglichen Einnahmen aus verschiedenen Formen globaler Besteuerung.
Forscher des Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal) um Prof. Davide Rasella haben dafür Daten aus 59 Ländern mit niedrigem oder unterem mittlerem Einkommen für die Jahre 2002 bis 2021 ausgewertet. Mit multivariablen Poisson-Modellen und festen Effekten für Länder und Jahre prüften sie, wie die Entwicklungshilfe pro Kopf mit der Sterblichkeit zusammenhing. Zusätzlich berücksichtigten sie demografische, soziale, wirtschaftliche und gesundheitssystembezogene Einflussfaktoren.
Höhere Entwicklungshilfe war in diesen historischen Daten mit einer niedrigeren Sterblichkeit verbunden. In der höchsten Finanzierungskategorie lag die altersstandardisierte Gesamtsterblichkeit um 24 Prozent niedriger als in der Vergleichskategorie. Bei Kindern unter fünf Jahren betrug der Unterschied 33 Prozent. Die zugehörigen relativen Risiken lagen bei 0,76 beziehungsweise 0,67.
„Zunächst haben wir geschätzt, wie die derzeitige Verringerung der humanitären Hilfe und Entwicklungshilfe zu Millionen vermeidbarer Todesfälle in den verletzlichsten Ländern der Welt führen könnte“, sagt Gonzalo Barreix Sibils von ISGlobal.
Dieser Befund bildet die Grundlage für den zweiten Teil der Arbeit. Für den Zeitraum von 2026 bis 2030 kombinierten die Forscher die geschätzten Zusammenhänge mit Mikrosimulationsmodellen zu zehn Umverteilungsmaßnahmen. Dazu gehörten Abgaben auf sehr große Vermögen, multinationale Unternehmen, Finanztransaktionen, Kohlendioxidemissionen, Kryptowährungen und bestimmte Erträge aus Staatsschulden.
„Da die Geberländer mit einer wachsenden Verschuldung konfrontiert sind und zunehmend Mittel für Militärausgaben umschichten, war die Finanzierung humanitärer Hilfe durch die Besteuerung großer Vermögen eine der tragfähigsten Strategien“, sagt Lucio Esposito von der University of East Anglia (UEA).
Das größte Potenzial ergab sich im Modell für eine jährliche Vermögenssteuer von drei Prozent auf extrem vermögende Personen. Gegenüber dem Szenario mit den derzeit erwarteten Kürzungen der Entwicklungshilfe könnten dadurch bis 2030 rund 29,5 Millionen Todesfälle vermieden werden. Das 95-Prozent-Unsicherheitsintervall reicht von rund 20,3 bis 38,6 Millionen.
Auch bei kleinen Kindern fällt der modellierte Unterschied groß aus. Im Drei-Prozent-Szenario schätzt das Team rund 3,46 Millionen vermiedene Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren. Das niedrigste der zehn untersuchten Szenarien, eine Abgabe von drei Prozent auf Krypto-Vermögen der 10.000 größten Halter, kam noch auf rund 6,6 Millionen vermiedene Todesfälle insgesamt und etwa 1,31 Millionen bei kleinen Kindern.