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Sachsen-Anhalts CDU sucht ihren Kurs - und ihren Chef
Nach der Wahlniederlage ist die CDU in Sachsen-Anhalt gespalten, gemäßigte Stimmen kommen kaum zu Wort. Ein neuer Landesvorstand könnte die Lager einen. Doch nicht alle, die dafür im Gespräch sind, bringen das Potenzial mit.
Sonntagabend, Wahlparty der CDU in Magdeburg: Punkt 18 Uhr ist die Stimmung am Tiefpunkt. Die Partei muss einen Schlag einstecken, wie ihn die erfolgsverwöhnte, selbsternannte "Sachsen-Anhalt-Partei" noch nie erlebt hat. Im Laufe des Abends werden aus den 18,5 Prozent der Prognose 17,2 Prozent. Die AfD wird mit 43,8 Prozent erstmals stärkste Kraft im Land, die CDU landet auf Platz zwei. Die Gesichter sind lang, die Party ist kurz.
Und die Suche nach dem Schuldigen beginnt keine 30 Minuten später, per E-Mail an die Journalisten: Ministerpräsident und Landeschef Sven Schulze solle zurücktreten, fordern Parteimitglieder und Vereinigungen.
Eine Partei, die über Jahrzehnte gewohnt war, am Wahlabend das Bärenfell zu verteilen, eröffnet nun - vor Publikum - den Machtkampf um die Deutungshoheit im Landesverband. Er tobt schon seit Jahren.
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09.09.2026
11KM analysiert das desaströse CDU-Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt und seine Folgen.
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Vor einem kann sich die CDU nicht verstecken: 28 Jahre lang, davon 24 am Stück, war sie die treibende Kraft im Land. Ergebnisse unter 30 Prozent galten als Niederlage. Nur zweimal kam das vor 2026 vor: 1998, als die Partei mit 22 Prozent abgewählt wurde, und 2016, als die AfD erstmals spürbar Stimmen abzog und der CDU 29,8 Prozent blieben.
Zugleich gelang es der Union immer wieder, ihre Koalitionspartner in der Wahrnehmung bedeutungslos werden zu lassen. Die SPD kam in den 1990er-Jahren noch auf Ergebnisse um die 30 Prozent, um die Jahrtausendwende waren es 20, zuletzt rund zehn Prozent.
Aus den Parteien, die mit der CDU das Land gestalten wollten, hieß es oft, neben der Union sei es schwer, sichtbar zu bleiben. Bildung, Innenpolitik, Landwirtschaft, Energie: Das Haus baute die CDU, die Partner durften die Tapeten kleben, die die Union ausgesucht hatte. Passte ein Anstrich nicht, drohte Streit.
Mit den Grünen eskalierte die Situation in der "Kenia"-Koalition aus CDU, SPD und Grünen zwischen 2016 und 2021 so sehr, dass mehrfach der Bruch des Bündnisses im Raum stand. Ein Narrativ, das die AfD im Wahlkampf vor sich hertrug: Die CDU in Sachsen-Anhalt hatte Jahrzehnte Zeit, die Probleme zu lösen, die sie im eigenen Wahlkampf zum Thema machte.