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Frankenstein-GPU: RTX 3070 Ti erhält 16 GB GDDR6
Nvidia brachte die GeForce RTX 3070 Ti lediglich mit 8 GB GDDR6X auf den Markt, obwohl zwischenzeitlich auch eine Variante mit 16 GB erwartet wurde. Ein brasilianischer Modder hat diese Lücke auf eigene Faust geschlossen. Seine Grafikkarte vereint allerdings Bauteile zweier Modelle und geht beim Speicher einen Schritt zurück.
Für das Projekt nutzte Fabio vom YouTube-Kanal Fmklab nicht die Platine einer handelsüblichen GeForce RTX 3070 Ti. Stattdessen bildet das PCB einer Asus TUF GeForce RTX 3070 die Grundlage. Darauf ersetzte der Modder zunächst den GA104-Grafikchip durch eine vollständig freigeschaltete Variante aus einer RTX 3070 Ti.
Anschließend wurden die acht jeweils 1 GB großen GDDR6-Bausteine gegen Chips mit jeweils 2 GB ausgetauscht. Allein damit war es jedoch nicht getan: Nach dem ersten Start erkannte GPU-Z weiterhin lediglich 8 GB. Erst nach Änderungen an den sogenannten Speicher-Straps, über die unter anderem die Speicherbestückung festgelegt wird, standen die vollständigen 16 GB zur Verfügung.
Dass der Umbau nicht nur auf dem Papier funktioniert, demonstriert Fmklab mit mehreren Tests. Das Nvidia-Diagnosewerkzeug MATS meldete keine Speicherfehler. Ein lokal ausgeführtes Sprachmodell konnte nahezu die gesamten 16 GB belegen, während Call of Duty: Warzone im Versuch mehr als 13 GB Grafikspeicher nutzte. Im Unigine Superposition erreichte die ungewöhnliche Grafikkarte 5.367 Punkte.
Der Rückgriff auf das PCB der RTX 3070 hat einen wirtschaftlichen Grund. Die reguläre RTX 3070 Ti verwendet GDDR6X; passende Speicherbausteine mit doppelter Kapazität wären nach Angaben des Modders deutlich teurer gewesen. Die Platine der RTX 3070 ist dagegen bereits für gewöhnlichen GDDR6 ausgelegt.
Für die größere Kapazität wird deshalb ein Teil der Speicherleistung geopfert. Die serienmäßige RTX 3070 Ti erreicht mit 19 Gbit/s schnellem GDDR6X an ihrem 256 Bit breiten Speicherinterface eine Bandbreite von 608 GB/s. Der mit 16 Gbit/s arbeitende GDDR6 des Umbaus kommt auf 512 GB/s. Die zusätzlichen 8 GB machen die Grafikkarte daher nicht grundsätzlich schneller und können die geringere Bandbreite nur in speicherintensiven Anwendungen ausgleichen.
Schon im Test aus dem Jahr 2021 erwies sich die RTX 3070 Ti gegenüber der normalen RTX 3070 lediglich als kleines Leistungs-Upgrade, das mit einer deutlich höheren Leistungsaufnahme erkauft wurde.
Ganz neu ist die Kombination aus RTX 3070 Ti und 16 GB nicht. Ende 2021 deuteten mehrere Quellen auf eine entsprechende Neuauflage hin. Ein Marktstart wurde für Januar 2022 vermutet. Später fanden sich sogar passende Kennungen in einem Nvidia-Treiber, doch die Grafikkarte erschien nie im Handel.
Ende 2022 tauchte außerdem ein Engineering Sample mit 16 GB GDDR6 und 512 GB/s auf. Fmklab hat somit nicht die erste derartige RTX 3070 Ti überhaupt erschaffen, wohl aber nach eigenen Angaben den ersten öffentlich dokumentierten und funktionsfähigen Nachbau.
Ein alltagstauglicher Aufrüstweg ist das Experiment ohnehin nicht. Es erfordert zwei Spenderkarten, aufwendige Lötarbeiten am Grafikchip und den Speicherbausteinen sowie Eingriffe in die Speicherkonfiguration. Aktuelle Modelle wie die GeForce RTX 5060 Ti mit 16 GB bieten die gleiche Kapazität samt neuerer Architektur und Herstellergarantie. Weitere Spielebenchmarks mit der selbst gebauten RTX 3070 Ti sollen noch folgen.