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Marktbericht: Anleger warten auf den EZB-Zinsentscheid
Nach den gestrigen Kursverlusten dürfte der DAX heute kaum verändert in den Handel starten. Die Anleger warten gespannt auf den Zinsentscheid der EZB. Sie hoffen insbesondere auf Hinweise zur weiteren Geldpolitik.
Nach dem jüngsten Kursrutsch taxiert der Broker IG den deutschen Leitindex vor dem Xetra-Handelsstart 10 Punkte höher auf 25.586 Punkte. Gestern war der DAX mit einem Abschlag von 1,7 Prozent auf 25.576 Punkten aus dem Handel gegangen. Der Grund war die erneute Eskalation im Nahen Osten. Sie trieb den Preis für Brent-Öl erstmals seit Mitte Juli wieder über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel.
Anleger fürchteten eine langfristige Unterbrechung der Ölversorgung, die die Energiepreise weiter nach oben treiben könnte - mit Folgen für die Verbraucherpreise.
Deshalb steht der heutige Tag ganz im Zeichen der Zinsentscheidung der europäischen Zentralbank. Die Entscheidung wird am frühen Nachmittag um 14.15 Uhr verkündet. Die Inflation in der Eurozone ist zuletzt auf 3,3 Prozent gestiegen. Deshalb wird an den Finanzmärkten damit gerechnet, dass die EZB den Leitzins auf 2,5 Prozent erhöht, um die Inflation zu dämpfen.
"Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ist am Markt vollständig eingepreist, alles andere käme einer großen Überraschung gleich", kommentiert Wolfgang Bauer, Fondsmanager bei Royal London Asset Management. Die entscheidende Frage würde daher lauten: "Markiert der September-Schritt nach der ersten Anhebung im Juni den Abschluss einer kurzen, vorsorglichen Straffung der Geldpolitik oder den Übergang zu einem längeren Zinserhöhungszyklus", so der Experte.
Für Sparer bedeuten höhere Zinsen, dass sie auf Tagesgeld- oder Festgeldkonten höhere Zinsen erwarten dürfen. Wenn sich das Sparen lohnt, dämpft das allerdings den Konsum. Bauzinsen und Kredite werden dagegen teurer.
Die höheren Zinsen haben für die Unternehmen zur Folge, dass Investitionen teurer werden und die Kosten steigen. Diese höheren Kosten könnten bei den Verbrauchern landen. Das wiederum dürfte die Konjunktur belasten. Die Notenbank muss also eine Gratwanderung versuchen und die Inflation bekämpfen, ohne die Wirtschaft zu sehr abzuwürgen.
Ein Grund für die hohe Teuerung sind die hohen Energiepreise. Hier ist vorerst nicht mit einer Entlastung zu rechnen. Die Furcht vor einer Ausweitung des Nahost-Konflikts hat die Ölpreise zuletzt wieder deutlich angetrieben. Die Sorge vor globalen Versorgungsengpässen durch die Ausweitung des Nahost-Konflikts, der nun auch Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und den Huthi-Rebellen im Jemen umfasst, stützt die Preise auf hohem Niveau.
Am Rohstoffmarkt verbilligte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee heute zwar um 0,2 Prozent auf 101,03 Dollar je Barrel (159 Liter), hielt sich damit aber weiter über der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar. Das US-Öl WTI notierte 0,2 Prozent fester bei 96,22 Dollar.
Die Sorgen über steigende Ölpreise und höhere Anleiherenditen hatten der Wall Street am Mittwoch Kursverluste eingebrockt. Der Dow Jones schloss 0,8 Prozent tiefer auf 52.381 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,5 Prozent auf 7.636 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,6 Prozent auf 26.253 Punkte.