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25 Jahre nach 9/11: "Ich werde jeden Tag an den Anschlag erinnert"
Heute vor 25 Jahren verübten Terroristen den Anschlag auf das World Trade Center in New York. Der Arzt Gordon Huie überlebte, seine Schwester war eines der 2.753 Todesopfer. Bis heute leidet er unter den gesundheitlichen Folgen des giftigen Staubs.
Der Arzt Gordon Huie war am 11. September 2001 auf dem Weg zu einem Termin im Beekman Hospital, als der Südturm des World Trade Center einstürzte. An der Ecke Church Street/Fulton Street wurde er von der gewaltigen Staubwolke erfasst.
Nachdem er wieder zu sich gekommen war, ging er weiter zum Krankenhaus und versorgte dort Verletzte. Ein Gespräch über Verlust, Krankheit - und sein Engagement, weltweit an Schulen die Erinnerung an die Opfer von 9/11 wachzuhalten.
tagesschau24: Herr Huie, nach dem 11. September ging der Satz "Never Forget" - "Niemals vergessen" um die Welt. Spüren Sie das als Überlebender auch so, dass die Welt nicht vergessen hat?
Gordon Huie: Ich glaube, die Welt hat schon ziemlich viel vergessen. Mittlerweile sind 25 Jahre vergangen. Ich glaube, die Welt ist ein bisschen abgestumpft. Andere Dinge rücken auf die Tagesordnung und die Erinnerung an die Schrecken dieses Tages tritt in den Hintergrund.
tagesschau24: Ihr eigener Körper erinnert Sie dagegen jeden Tag daran. Sie haben damals geholfen, sind praktisch ohne Schutzausrüstung in die Trümmer gegangen und haben giftigen Staub und Rauch eingeatmet. Als Folge davon haben Sie metastasierenden Lungenkrebs. Was bedeutet es, wenn ein historisches Ereignis quasi im eigenen Körper weiterlebt?
Huie: Ich bin wegen meiner Krebserkrankungen in Behandlung. Ich habe Freunde, Fremde und sogar Familienmitglieder, die sagen: "Das ist so viele Jahre her - mach einfach weiter, lass los!" Ich wünschte, ich könnte es. Aber ich kann es nicht. Ich werde jeden Tag an den Anschlag von vor 25 Jahren erinnert.
Zum einen habe ich meine Schwester verloren - ich vermisse sie sehr. Und ich muss aufgrund meiner Krebsoperation meine Verbände wechseln, meine Krebsmedikamente nehmen und zeitweise Sauerstoff benutzen. Ich habe posttraumatische Belastungsstörungen.
tagesschau24: Ihre Schwester Susan arbeitete oberhalb der Einschlagstelle in einem der Türme. Sie selbst haben überlebt und gleichzeitig einen Ihnen sehr nahestehenden Menschen verloren. Was sollten die Menschen heute über diesen Verlust verstehen?
Huie: Viele von uns Überlebenden sterben inzwischen. Und wenn man jemanden verliert, den man liebt oder wenn wir selbst sterben - ich glaube, wir wollen nicht vergessen werden. Ich spreche über Susan. Ich zeige Ihnen sogar ein Bild von Susan. (Anm. d. Red.: An dieser Stelle hält er während des Interviews ein Foto seiner Schwester hoch.)