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Künftige Wetterextreme könnten weit schlimmer werden als bisher gedacht
Historische Katastrophen markieren offenbar nicht die Obergrenze dessen, was Extremwetter anrichten kann. Eine neue Analyse weltweiter Todesfälle durch tropische Wirbelstürme und extreme Hitze zeigt, dass wenige Ereignisse den Großteil der Opfer verursachen. Sehr seltene künftige Katastrophen könnten deshalb deutlich höhere Todeszahlen erreichen, wobei Millionen Opfer möglich, aber keineswegs als wahrscheinlich einzustufen sind.
London (England). Risikopläne orientieren sich oft daran, was in der Vergangenheit bereits passiert ist, doch bei Extremwetter kann dieser Blick zurück täuschen, weil historische Aufzeichnungen kurz sind und gerade die seltensten Katastrophen nur wenige Beispiele liefern. Zugleich verändert die globale Erwärmung die klimatischen Bedingungen, unter denen solche Ereignisse entstehen.
Besonders problematisch sind Verteilungen mit langen Ausläufern zu extremen Werten, bei denen wenige Ausreißer einen großen Anteil der Gesamtschäden ausmachen. Dann lässt sich aus dem bislang schlimmsten beobachteten Ereignis nur begrenzt ableiten, wie schlimm ein noch selteneres Ereignis werden könnte. Genau diese Lücke wollen die Autoren für Klimarisiken stärker in den Blick rücken.
Forscher des King’s College London um Dr. Tom Matthews haben dazu Todesfälle aus allen erfassten tropischen Wirbelstürmen und Extremhitzeereignissen der Jahre 2000 bis 2025 weltweit ausgewertet und die stark ungleiche Verteilung der Opfer untersucht. Die fachbegutachtete Arbeit verbindet diese empirische Analyse mit Überlegungen zu bislang nicht beobachteten Extremereignissen und möglichen Wirkungsketten.
Am deutlichsten zeigt sich die ungleiche Verteilung bei tropischen Wirbelstürmen. Zyklon Nargis tötete 2008 in Myanmar fast 140.000 Menschen und damit mehr als doppelt so viele wie die übrigen 675 tödlichen tropischen Wirbelstürme des untersuchten Zeitraums zusammen. Auch bei Hitze konzentrierten sich die Opfer auf wenige Ereignisse, wobei die europäische Hitzewelle von 2003 demnach rund 70.000 Todesopfer forderte und fast die Hälfte davon in den ersten beiden Augustwochen starb.
„Die Geschichte lässt uns künftige Risiken fast zwangsläufig unterschätzen“, erklärt Dr. Tom Matthews.
Aus diesem Muster leiten die Forscher keine konkrete Vorhersage ab, sondern zeigen, dass sehr seltene künftige Ereignisse mit Todeszahlen im Millionenbereich statistisch nur schwer auszuschließen sind. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass solche Katastrophen wahrscheinlich sind.
Die Arbeit verweist außerdem darauf, dass physikalisch mögliche Hitze weit über den historisch beobachteten Bereich hinausreichen und physiologische Belastungsgrenzen überschreiten könnte. Bei tropischen Wirbelstürmen können bisher nicht beobachtete Expositionsmuster ebenfalls besonders hohe Opferzahlen verursachen. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Stärke eines Wetterereignisses, sondern auch, wo es auf welche Bevölkerung und Infrastruktur trifft.
Eine zusätzliche Schwachstelle sind Kombinationen, für die es kaum Vorbilder gibt. Die Autoren nennen als Beispiel eine verheerende Hitzewelle unmittelbar vor einem starken Hurrikan, wenn Millionen Menschen während Evakuierungen gerade dann auf Klimatisierung verzichten müssten, wenn die Hitze besonders gefährlich ist.
Statt sich nur von bekannten Rekorden aus vorzuarbeiten, schlagen die Autoren einen umgekehrten Ansatz vor. Forscher sollen zuerst einen katastrophalen Ausgang definieren und dann prüfen, welche physikalischen, gesellschaftlichen und infrastrukturellen Ketten dazu führen könnten. Dazu empfehlen sie systematische Vorausschauen mit Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen und betroffenen Gemeinschaften, eine bessere Untersuchung kritischer Wirkungsschwellen sowie die Kartierung der physikalischen Wettergrenzen in deutlich wärmeren und kälteren Klimazuständen.