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Brasilien: Bolsonaros Sohn greift nach der Macht
Der Sohn von Jair Bolsonaro will Brasiliens nächster Präsident werden - und setzt dabei auf einen aggressiven Ton. Rückhalt bekommt er von vielen Brasilianern, die die Verurteilung seines Vaters für ungerecht halten.
Dass sie Brasilianer sind, ist kaum zu übersehen. Lorraine Fernandes und ihr Mann Edson haben sich in Nationalflaggen gehüllt. Er, ein Datenanalyst, trägt dazu eine kanariengelb-grüne Perücke im Irokesenschnitt. Sie, Lehrerin, eine militärgrüne Kappe mit der Aufschrift "Brasilien".
Es ist kalt und regnerisch an diesem 7. September, dem Unabhängigkeitstag des Landes, aber das schreckt die beiden nicht ab. Schließlich stehe die Zukunft des Landes auf dem Spiel. "Wir sind hier, um Demokratie und die Meinungsfreiheit zu verteidigen und die Zukunft meines Sohnes", sagt Lorraine. Ihr Sohn sei zu Hause geblieben, weil er Angst habe. "Man kann ja kaum noch auf die Straße gehen. Denn wir befinden uns in einer Zeit, in der die Demokratie auf dem Spiel steht."
Schuld daran seien die Linke und der amtierende Präsident Lula da Silva, ein korrupter Dieb, wie das Ehepaar nun im Sprechchor mit 10.000 weiteren in Grün und Gelb gekleideten Menschen singt.
Sie sind auf der Paulista, der zentralen Avenida der Millionenmetropole São Paulo, um den zu unterstützen, der Brasilien noch rettet. "Ich weiß, dass ihr hierher blickt und eine andere Person seht, die mir ähnlich sieht", ruft Flávio Bolsonaro, die Nummer eins, wie der Vater Jair Bolsonaro seinen ältesten Sohn nennt.
"Ich möchte der Befreier des Vaterlandes sein", ruft er von einem zur rollenden Bühne umfunktionierten LKW in die Menschenmenge. "Ich bitte Gott um die Gelegenheit, nächstes Jahr gemeinsam mit Präsident Jair Messias Bolsonaro die Rampe zum Präsidentenpalast Planalto hinaufzugehen, damit er mir die Scherbe umlegen kann und ich Brasilien in die Hände Jesu übergeben kann."
Der 80-Jährige wurde von seiner Partei erneut nominiert. Sein wichtigster Konkurrent steht bereits fest.
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Ex-Präsident Jair Bolsonaro allerdings verbüßt eine 27-jährige Haftstrafe, weil er nach seiner Wahlniederlage 2022 gegen den amtierenden linken Präsidenten Lula da Silva einen Staatsstreich plante, so urteilte das oberste Gericht Brasiliens. Doch dem trauen hier auf der Avenida Paulista noch weniger als dem linken Lula.
Insbesondere ein Bundesrichter wurde regelrecht zur Hassfigur: Alexandre de Moraes, der Diktator in einer Richterrobe, wie sie ihn hier nennen. Zwar selbst ein Rechtskonservativer, doch er leitete später den Strafprozess gegen Bolsonaro. Nun wurde öffentlich, dass er fragwürdige Kontakte zu einem Banker pflegte, der den größten Korruptionsskandal der jüngeren Geschichte des Landes ausgelöst hat.
Für Lorraine Fernandes eine Bestätigung, dass es von Beginn an ein Komplott gegen Bolsonaro gab. "Ist Alexandre de Moraes etwa in der Lage, irgendjemanden zu verurteilen? Nach allem, was jetzt noch dazu herauskommt, nein, ist er nicht." Lorani ist überzeugt: "Jair Bolsonaro ist ein politischer Gefangener, und wir erleben gerade die Einführung einer linken Diktatur in Brasilien."