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Neuentdeckte Fossilien schließen Lücke nach dem Massenaussterben der Dinosaurier
Nach der Katastrophe: Nur rund 200.000 bis 350.000 Jahre nach dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit lebte in Colorado bereits ein früher Vertreter der Alligatorinae, der Unterfamilie der Alligatoren. Die neue Art Mandrasuchus milleri schließt damit eine Fossillücke und stützt die Annahme, dass damalige Süßwasser-Ökosysteme die globale Krise vergleichsweise gut abfederten.
Moab (U.S.A.). Der Asteroideneinschlag vor rund 66 Millionen Jahren ließ die Nichtvogel-Dinosaurier verschwinden und veränderte Ökosysteme weltweit. Doch Krokodilartige kamen vergleichsweise gut durch die Kreide-Paläogen-Krise. Ihr Fossilbericht zeigt über die Kreide-Paläogen-Grenze (K-Pg-Grenze) hinweg sogar eine zunehmende Vielfalt, obwohl gerade die frühe Entwicklung der Alligatoriden noch große Lücken besitzt.
Besonders lückenhaft war bislang der Nachweis nahe an der K-Pg-Grenze und im heutigen Colorado. Fossilien aus der Denver-Formation von Corral Bluffs füllen nun einen Teil dieser Lücke. Sie stammen aus Ablagerungen des frühen Paläozäns und gehören zu einer bislang unbekannten Alligatoriden-Art.
Forscher des Bureau of Land Management (BLM) um Dr. Emily J. Lessner haben die neue Art Mandrasuchus milleri anhand von mehr als 15 Exemplaren beschrieben. Die Funde umfassen Schädel und weitere Skelettreste aus mehreren Altersstufen, wodurch sich auch Veränderungen während des Wachstums nachvollziehen lassen. Für die Einordnung verglich das Team zahlreiche Merkmale der Fossilien und prüfte ihre Stellung in einer umfangreichen Stammbauanalyse früher Alligatoriden.
Aussagekräftige Schädel liegen etwa 350.000 Jahre nach der K-Pg-Grenze. Einzelne typische kugelige Zähne reichen sogar bis rund 200.000 Jahre nach dem Massenaussterben zurück. Damit ist Mandrasuchus unabhängig von seiner noch nicht völlig geklärten Stellung im Stammbaum der stratigraphisch früheste sicher bestätigte Vertreter der Alligatorinae.
Mandrasuchus besaß eine stumpfe Schnauze und kugelig gerundete Zähne im hinteren Kieferbereich. Diese Kombination ordnen die Autoren einer globidonten Form innerhalb der Alligatorinae zu. Aus den erhaltenen Skeletten schätzen sie für ausgewachsene Tiere eine Gesamtlänge von bis zu rund zwei Metern und ein Körpergewicht von etwa 35 Kilogramm.
Die Zahn- und Schnauzenform spricht laut Studie nicht für einen extremen Nahrungsspezialisten, sondern für einen Macrogeneralisten mit vergleichsweise breitem Nahrungsspektrum. Das ist wichtig, weil frühere globidonte Alligatoriden wegen ihrer rundlichen Zähne oft als besonders auf hartschalige Beute spezialisiert interpretiert wurden. Mandrasuchus dürfte dagegen verschiedene Nahrungsressourcen genutzt haben.
Im selben Ökosystem lebten mit Borealosuchus sternbergii und Champsosaurus zwei weitere größere semiaquatische Räuber. Ihre Fossilien werden an Corral Bluffs häufig zusammen gefunden, doch Schädel- und Zahnformen sprechen für unterschiedliche Ernährungsweisen. Die Forscher halten daher eine Aufteilung der Nahrungsnischen zwischen den Tieren für wahrscheinlich, statt einer direkten Konkurrenz um dieselbe Beute.
Die frühe Koexistenz unterschiedlich gebauter Räuber ist für die Forscher ein Hinweis auf die Widerstandskraft damaliger Süßwasser-Lebensräume. Eusuchier, zu denen die heutigen Krokodile und Alligatoren gehören, überstanden das Massenaussterben und entwickelten danach eine auffällige Formenvielfalt. Das Team wertet dies als Hinweis darauf, dass kontinentale Süßwasser-Ökosysteme gegenüber den Folgen der globalen Krise teilweise gepuffert waren.
Der Fund löst die frühe Stammesgeschichte der Alligatoriden allerdings nicht vollständig. Gerade die Verwandtschaftsverhältnisse nahe der Basis von Alligatorinae und Caimaninae bleiben schlecht aufgelöst, und Wachstumsunterschiede können die Zuordnung fossiler Merkmale zusätzlich erschweren. Mandrasuchus erweitert nun den Fossilbestand aus genau dieser unsicheren Phase und könnte künftige Stammbauanalysen besser absichern.