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Antarktis-Karte zeigt, wie kleine Eisberge das Meereis an der Küste stabilisieren
Entlang der Antarktisküste bleiben zehntausende Eisberge über mehrere Radaraufnahmen hinweg nahezu unbeweglich. Eine neue, kontinentweite Kartierung identifiziert 39.619 solcher stationären Eisberge, von denen 92,6 Prozent kleiner als ein Quadratkilometer sind. Ihre dichten Ansammlungen könnten küstennahes Festeis wie ein „Lattenzaun“ verankern und so dessen Abdriften erschweren.
Hobart (Australien). Festeis bleibt im Unterschied zu driftendem Packeis längere Zeit an der Küste oder an Eisschelfen gebunden. Am Meeresboden festsitzende Eisberge können solche Flächen wie Anker halten, doch bisher fehlte eine hochauflösende Karte, die stationäre Eisberge rund um den gesamten Kontinent erfasst und auch kleine Exemplare zuverlässig berücksichtigt.
Forscher der University of Tasmania (UTAS) um Kaihong Jiao haben nun Radardaten der Sentinel-1-Satelliten mit automatisierter Bilderkennung kombiniert. Das Team suchte dabei nicht nur nach eisbergähnlichen Formen, sondern verfolgte erkannte Objekte über mehrere Aufnahmen hinweg und filterte Kandidaten zusätzlich anhand von Meerestiefe und Meereiskonzentration, um treibende Schollen und andere Fehlklassifikationen möglichst auszusortieren.
Für die Kartierung nutzten die Forscher Aufnahmen von Ende Februar bis Anfang April 2025, als die Ausdehnung des Festeises ungewöhnlich gering war. Dadurch ließ sich besser unterscheiden, ob ein Eisberg tatsächlich festlag oder nur vom umgebenden Festeis am Driften gehindert wurde. Die Methode erfasste Eisberge bis zu einer Fläche von 0,016 Quadratkilometern, entsprechend rund 1,6 Hektar.
„Nur Kandidaten, die dieses strenge Prüfverfahren überstehen, werden als stationäre Eisberge klassifiziert“, schreiben Kaihong Jiao und Kollegen.
Bei einer manuellen Überprüfung der zeitlichen Identifikation erreichte das Verfahren einen F1-Wert von 0,9102. Damit erkannte es die meisten stationären Eisberge korrekt, während vor allem dicht gedrängte Objekte zu vorzeitigen Abbrüchen oder verzögerter Erkennung führen konnten.
„Vollständige Identifikationsfehler waren außergewöhnlich selten und traten nur in drei Fällen auf, also in 1,2 Prozent“, schreiben Kaihong Jiao und Kollegen.
Nach mehreren Filterschritten blieben 39.619 stationäre Eisberge mit einer gemeinsamen erfassten Fläche von 13.430 Quadratkilometern. Besonders auffällig ist ihre Größenverteilung, denn 92,6 Prozent sind kleiner als ein Quadratkilometer und stellen nach der Auswertung 53,9 Prozent der gesamten kartierten Eisbergfläche.
Die Eisberge verteilen sich keineswegs gleichmäßig, denn sie treten zwar entlang von rund 56,5 Prozent der antarktischen Küstenlinie auf, doch 80 Prozent der kartierten Eisberge konzentrieren sich auf lediglich 14,2 Prozent der Küste. Besonders dichte Ansammlungen liegen auf flachen Kontinentalschelfen und stromabwärts von aktiv zerfallenden Eisschelffronten, die fortlaufend neue Eisberge liefern.
Diese Häufung ist für die Forscher mehr als ein Kartierungseffekt, weil viele kleine, am Meeresboden verankerte Eisberge gemeinsam die Bewegung des Festeises bremsen und dessen Export ins offene Meer erschweren könnten. Die Autoren beschreiben diesen möglichen kollektiven Mechanismus als „picket fence effect“, also als eine Art Lattenzaun aus vielen einzelnen Ankerpunkten.