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Schock und Trotz nach Razzien gegen LGBTQ-Vereine in der Türkei
In der Türkei wurden am Wochenende zahlreiche Aktivisten und Aktivistinnen für LGBTQ-Rechte festgenommen. NGOs und Zivilgesellschaft verurteilen die Razzien - es sei das bisher größte Vorgehen gegen die Community.
Yildiz Tar weiß, was es bedeutet, als queerer Aktivist in der Türkei sichtbar zu sein. Erst im Juli wurde er verhaftet und verbrachte kurze Zeit im Gefängnis. Bei den Razzien am Wochenende durchsuchten Polizeikräfte auch die Büros seiner Initiative Kaos GL und nahmen mindestens zehn Kolleginnen und Kollegen fest.
"Auf die Frage 'warum jetzt' und überhaupt 'warum' haben auch wir keine Antwort", sagt er. "Alles, was wir hören, ist: Weil wir unmoralisch seien. Aber wir sind nicht unmoralisch, LGBT+-Menschen kämpfen um ihre Würde."
Die türkischen Behörden gingen am Wochenende landesweit vor - Bars, Clubs und Unternehmen sowie gegen Initiativen und Vereine, die sich für die Rechte von homosexuellen, trans, inter, bi und nichtbinären Menschen einsetzen.
Die Durchsuchungen fanden unter anderem in Istanbul, Ankara, Izmir und Antalya statt.
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Die Vorwürfe lauten Obszönität, Vereinsgründung zum Begehen einer Straftat, Drogenbesitz und Prostitution. Belege dafür hat die Justiz keine öffentlich vorgelegt. Junge Menschen würden durch LGBTQ-Propaganda verwirrt - das sei ein Problem für die Institution der Familie, sagt die Staatsanwaltschaft.
Für Yildiz Tar ist es ein vorgeschobener Grund. "Die Regierung hat ein Feindbild geschaffen und lenkt damit von den eigentlichen Problemen ab", sagt er. "Es gibt ernstzunehmende Probleme in der Institution Familie: wirtschaftliche Not, häusliche Gewalt, Gewalt gegen Frauen. Wenn die Regierung die Familie schützen will, sollte sie sich damit beschäftigen."
Homosexualität ist in der Türkei nicht strafbar. Wer offen homosexuell, trans oder inter ist, kann aber durchaus gesellschaftliche Queerfeindlichkeit zu spüren bekommen. Geschürt wird sie auch vom Staatspräsidenten: Recep Tayyip Erdogan äußert sich regelmäßig abfällig über die LGBTQ-Community, unter anderem beschimpfte er queere Menschen als Perverse.
Trotz des Verbots der Pride-Parade haben Hunderte Menschen für die Rechte von LGBTQI+-Menschen demonstriert.
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Die Razzien am Wochenende richteten sich laut dem Justizminister gegen 162 Menschen. Emma Sinclair Webb von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch arbeitet seit Jahren in Istanbul. Es sei das bisher größte Vorgehen gegen die Community, sagt sie der ARD.