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Wie gut ist Forsaken Kingdoms?: WarCraft 3 fällt mit Genrewechsel auf die Nase
Neuer Content für WarCraft 3, ist das geil oder ist das geil? Eigentlich nicht. Denn mit Forsaken Kingdoms muss das Strategiespiel das Genre wechseln. Obwohl Blizzard erkennbar nichts an Talent eingebüßt hat, verrennt sich das Konzept nach ein paar Stunden Spielzeit und klatscht an die Wand.
WarCraft 3 gehört durch seine gekonnte Verbindung von Rollenspiel- und Strategie-Elementen zu den wegweisenden Titeln in seinem Genre, auch weil es klar wusste, was es sein sollte: Zuallererst ein Strategiespiel. Und genau dort glänzt Forsaken Kingdoms. Die vier Missionen lange Prolog-Kampagne präsentiert neuen RPG-Elementen in Form von Ausrüstungsslots für Helden, kleinen Quest-Strukturen und großen Kämpfe in hellem Licht, bringt sie durch abwechslungsreiche Aufgaben zum Glänzen. Präsentiert wird das gekonnt: Ja, die Grafik ist gealtert, fügt sich aber in den „WoW“-Look ein und wirkt stimmig.
Blizzard ist hier in voller Fahrt, Blizzard kann es noch. Die ersten Momente werden damit magisch: Vertraute Musik, ein ähnlicher Look, das Spielgefühl, alles ist noch da. Nur frisch, mit neuen Ideen. Am Ende des Prologs ist die Vorfreude auf ein wenig mehr Basisbau oder größere Armeen riesig – denn darauf scheint alles hinauszulaufen. Und dann fährt Forsaken Kingdoms eiskalt gegen die Wand.
In der Kampagne nimmt Blizzard beides ganz weg und macht WarCraft 3 im Grunde zu einem Action-Rollenspiel, das es nie sein sollte. Der Anfang spielt sich deshalb unglaublich zäh, ständig müssen Helden langwierig an Heilbrunnen stehen, die Karte im Kriechgang erkundet werden. Die Hubwelt ist unübersichtlich und verschachtelt. Die Spielgeschwindigkeit gering. Kartenwechsel sind häufig nötig. Schnellreise ist allenfalls rudimentär möglich. Kämpfe dauern und bestehen aus Warten auf Abklingzeiten und sinkende Lebensbalken, Bosse ähneln sich zu sehr im Ablauf. Das Ausrüstungssystem ist umständlich. Spaß? Ehrlich gesagt Fehlanzeige.
Insofern zeigt die Kampagne vor allem, dass ihr Konzept nicht zum Grundgerüst von WarCraft 3 passt. Zu viel muss irgendwie mit Workarounds nachgerüstet werden. Vor 15 Jahren wäre das der nächste Schritt gewesen. Heute bleibt festzuhalten: Das ist es trotz aller guten Ideen nicht. Nicht so. Vielleicht ließe sich noch ein wenig mit Feinschliff retten, auch bei teils fehlenden Autosave-Punkten – danke Blizzard, für 15 Minuten verschwendete Spielzeit – und weiteren Kleinigkeiten wie teils bemühten Dialogen. Aber selbst dann passt zu vieles nicht zum alten WarCraft 3. Das läuft mit Rumms gegen die Wand. Aua.
Das gute Vorweg: Die Prolog-Kampagne macht Lust auf mehr, die Grafik bietet endlich das, was Reforged hätte vom Start weg liefern müssen. Was danach kommt, macht jedoch überraschend wenig Spaß. Strukturell passen die Ideen nicht zur Technik, es stecken zu viele Kompromisse im Spiel. Das Konzept hat zwar Potential, aber nur in einem Remake, nicht in dem Oldie und nicht für 30 Euro.
Vielleicht passt das Spielgefühl, die Behäbigkeit, für Fans von World of Warcraft, denn an das Ewigkeits-RPG schließt Forsaken Kingdoms an. Vielleicht sind die allerhärtesten Fans von WarCraft 3 ebenso an Bord. Aber eigentlich hätte sich Blizzard diesen DLC auch sparen können. Als RTS-RPG-Hybrid kommt der DLC bei weitem nicht an Spellforce 3 heran.
ComputerBase hat Forsaken Kingdoms für diesen Test auf eigene Kosten erworben.