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Berlin-Wahl - Kristin Brinker von der AfD: Spitzenkandidatin ohne Regierungschancen
Kristin Brinker tritt zum dritten Mal als Spitzenkandidatin der AfD in Berlin an. Ihre Partei kann mit Zuwächsen rechnen. Doch eine Regierungsoption hat sie wohl nicht; niemand will mit ihr koalieren.
Schon von Weitem ist er gut zu sehen in der Fußgängerzone in Tegel: Der blaue Schirm mit den großen Buchstaben: AfD. Kristin Brinker, die Spitzenkandidatin - blonde Haare, pinkes Oberteil, dunkelblaues Jackett, unterm Arm die Parteizeitung "Blauer Bote" - wirbt um die Wählergunst.
Gar nicht so einfach hier im Norden Berlins. Tegel, bekannt für seinen einstigen Flughafen und den malerischen See, liegt im Bezirk Reinickendorf - da wurde die AfD bei der vergangen Wahl 2023 nur viertstärkste Kraft.
"Was mich tatsächlich ein bisschen abstößt, ist eure Russland-Nähe", sagt ein Passant. - "Die Alice lässt ja oftmals Sachen gucken, die einer Person mit ihrer Qualifikation nicht würdig sind." - "Der hat gesagt, dass die AfD im Allgemeinen gegen Frauenrechte und gegen Kinderrechte sei", empört sich eine Passantin über Höcke. - "Also ich weiß nicht, in welchem Kontext der das gesagt hat, und deswegen ist es immer sehr schwierig, auf so was zu antworten, weil ich die Umstände nicht kenne", antwortet Brinker.
Oftmals versucht die 54-Jährige von den Bundesthemen wegzukommen: "Nun sind wir hier bei der Berlin-Wahl, da haben wir ganz andere dringende Themen, vielleicht können wir Sie ja trotzdem überzeugen."
"Viele fragen nach Bundesthemen, die wir jetzt nicht unbedingt auf Landesebene lösen können", sagt Brinker. Das Landesprogramm spiele "eher eine untergeordnete Rolle. Und das macht es natürlich schwierig, wenn man im Landtagswahlkampf ist." Die gebürtige Sachsen-Anhalterin sitzt seit 2016 im Abgeordnetenhaus, seit 2021 führt sie den Landesverband.
Am Wahlkampfstand in Tegel gibt es aber auch Zuspruch: "Ich drück euch die Daumen", ruft eine ältere Frau. "Ich hoffe ganz stark, dass jetzt mal die AfD rankommt, denn die wird unser Land retten", sagt eine andere. Auf die Frage, welche Erwartungen sie an die AfD hat, wird sie konkreter, spricht über Rentner, "die in den Mülleimern kramen müssen, um sich ein bisschen Zubrot verdienen zu können". Und über ihren Sohn, der schon lange eine Wohnung suche und keine finde. Mal hupt ein Lkw im Vorbeifahren, dem Brinker fröhlich zurückwinkt, mal ruft ein Passant den Wahlkämpfern "danke" zu.
Viele der Sympathisanten sind genervt, wie die anderen Parteien mit der AfD umgehen. "Verbieten ist keine Lösung", sagt eine Passantin. "Warum sind es denn so viele, die die wählen wollen?" Die Leute seien offener, sagt Spitzenkandidatin Brinker, "haben auch deutlich seltener Scheu zu zeigen, dass sie sympathisieren.” Sie gibt derweil die Gesprächsbereite: "Ich gehe auf jeden zu."
Wie die AfD sich Berlin vorstellt, das kann man gut an zwei Themen sehen: Wohnen und Verkehr. Zwei Themen, die die Berliner mit am meisten bewegen, das zeigen die Umfragen. Die Kernforderung beim Thema Wohnungspolitik: Landeseigene Wohnungen sollten bevorzugt an langjährige Berliner gehen. "Wohnungen sind keine Asylheime" titelt etwa der "Blaue Bote", die AfD-Zeitung für die Hauptstadt, die Brinker im Wahlkampf dabei hat.
In puncto Verkehr setzt die AfD klar aufs Auto - der "motorisierte Individualverkehr" sei "unverzichtbarer Bestandteil urbaner Mobilität", heißt es im Wahlprogramm. Sie selbst sei "passionierte Autofahrerin", verrät Brinker in einem Interview mit dem ARD-Mittagsmagazin. Während einer Fahrt durch das belebte Neukölln, erklärt die Immobilienmanagerin ihre Verkehrslösung für Berlin, das in manchen Erhebungen als Stau-Hauptstadt der Republik gilt.