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Felsbilder im südlichen Afrika zeigen wohl doch keine Urzeitwesen
Dinosaurierspur oder fossiles Stoßzahntier? Zwei spektakuläre Deutungen von Felskunst im südlichen Afrika halten einer neuen archäologischen Prüfung nicht stand. Demnach ist ein mit Dinosauriern verknüpftes Wesen in den überlieferten Geschichten ein personifiziertes Steppenfeuer, während die angeblichen Stoßzähne eines anderen Felsbilds wohl aus einem separaten Farbfleck und Verwitterungseffekten entstanden.
Oxford (England). Fossilien ragen in Teilen des südlichen Afrika sichtbar aus dem Gestein. Damit ist gut vorstellbar, dass Menschen sie lange vor der modernen Paläontologie wahrnahmen. Schwieriger ist der nächste Schritt: Lässt sich zeigen, dass solche Funde in Mythen und Felsbildern als Reste ausgestorbener Tiere gedeutet wurden? Genau diese Verbindung nimmt eine neue Analyse kritisch unter die Lupe.
Zwei prominente Deutungen lieferten dafür bisher scheinbar passende Beispiele. Eine betrifft Felsbilder in Lesotho, die mit einer Dinosaurierspur und einem urzeitlichen Monster verbunden wurden. Eine zweite, über die scinexx 2024 berichtete, sah in einem fossil inspirierten Stoßzahntier eine Rekonstruktion eines Dicynodonten. Dicynodonten sind eine ausgestorbene Gruppe säugetierähnlicher Tiere, deren Fossilien in der Region vorkommen.
Der Archäologe Dr. David Witelson von der University of Oxford hat beide Fälle nun neu geprüft. Dazu hat er historische Abschriften und ethnografische Quellen ausgewertet sowie Archivaufnahmen und neue Digitalfotos der Felskunst verglichen. Sein Ergebnis: Für beide Fossil-Deutungen fehlt eine belastbare Beweiskette.
Der erste Fall geht auf Felsbilder bei Mokhali in Lesotho zurück. Paul Ellenberger und Kollegen hatten 2005 eine rote, dreilappige Form als Dinosaurierfußabdruck gedeutet. Drei damals dokumentierte, heute verschwundene schwarze Figuren sollten demnach Rekonstruktionen des Tiers zeigen. Zugleich brachten die Forscher die Bilder mit dem Wesen ǁKhwai-hemm aus Überlieferungen der ǀXam San in Verbindung.
Witelsons Quellenprüfung ergibt jedoch ein anderes Bild. In den historischen Aufzeichnungen der Bleek-und-Lloyd-Sammlung erscheint ǁKhwai-hemm nicht als Tier oder Dinosaurier, sondern als personifiziertes Steppen- oder Buschfeuer, das alles auf seinem Weg verbrennt. Eine Überlieferung, nach der fossile Knochen als Überreste dieses Wesens verstanden wurden, findet sich dort nicht.
Auch das Felsbild selbst liefert nach der neuen Analyse keinen sicheren Gegenbeleg. Von den drei vogelähnlichen Figuren existieren nur alte Kopien, deren Genauigkeit heute nicht mehr geprüft werden kann. Die erhaltene rote Form steht zudem einzeln, und selbst ihre Urheberschaft durch San ist nicht gesichert. Der Fall taugt damit nach Witelsons Einschätzung nicht als belastbare Grundlage für eine fossile Rekonstruktion in der Felskunst.
Beim zweiten Fall ist das Original noch vorhanden. 2024 hatte der Paläontologe Julien Benoit vorgeschlagen, ein sogenanntes Regen-Tier an der Fundstelle RSA LBF1 im südafrikanischen Free State könne von Dicynodonten-Fossilien inspiriert worden sein. Als wichtiges Indiz galten zwei nach unten weisende, grau erscheinende „Stoßzähne“ unter dem Kopf.
Witelson hat die Stelle selbst fotografiert und die Aufnahmen mit DStretch ausgewertet, einer in der Felskunstforschung etablierten digitalen Bildverstärkung. Zusätzlich verglich er die heutigen Bilder mit älteren Archivaufnahmen. Dabei zeigt sich, dass die vermeintlichen Hauer beide auf derselben Seite unter dem Unterkiefer liegen und eher zu einem schwarzen, U-förmigen Farbfleck gehören. Ihre hellere Färbung lässt sich zudem mit Verwitterung und mineralischen Ablagerungen erklären.
Auch die historische Vorlage, auf der ein Teil der Deutung beruhte, ist problematisch. Der Geologe George Stow kopierte die Felsbilder im 19. Jahrhundert, veränderte bei seinen Reproduktionen aber teils Positionen und Farben. Die San-Frau ’Kou’ke, der Stow solche Kopien zeigte, beschrieb große Regen-Tiere, erwähnte jedoch keine Stoßzähne und keinen Be