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Geschmolzenes Plastik verbindet sich mit abgestorbenem Korallenschutt
Auf Okinawa haben Forscher eine neue Form veränderten Plastikmülls dokumentiert. Bei den „Plasticorals“ ist geschmolzenes Polyethylen oder Polypropylen mit abgestorbenem Korallenschutt verbunden und dringt teils in dessen Poren ein. Die Funde zeigen, wie sich Kunststoff in Riffumgebungen zu einem festen Verbund mit biogenem Material verändern kann.
Onna (Japan). Korallenschutt entsteht, wenn abgestorbene Korallenstöcke zerbrechen und ihre Skelettstücke an Strände oder zurück ins Riff gelangen. Dort ist das Material ökologisch keineswegs bedeutungslos. Es kann jungen Korallen als Untergrund dienen und in seinen Zwischenräumen kleinen Fischen und anderen Tieren Schutz bieten.
Zugleich sammeln sich an vielen Küsten Kunststoffe, die durch Sonne, Wellen und Hitze verändert werden können. Bekannt sind etwa Plastiglomerate, bei denen geschmolzenes Plastik mit Gestein, Sand oder anderem Material verbunden ist. Wie sich solcher Müll mit biogenem Korallenmaterial verbindet, war bislang kaum untersucht.
Forscher der University of the Ryukyus um Prof. James D. Reimer haben nun fünf solcher Funde an drei Stränden Okinawas beschrieben. Drei Vorkommen stammten vom Sosu Beach, je eines vom Ibu Beach und Odo Beach. Die Stücke fielen bei routinemäßigen Untersuchungen von Meeresmüll auf und wurden von den Autoren als „Plasticorals“ bezeichnet.
Vier Proben wurden genauer analysiert. Mit Raman-Spektroskopie bestimmten die Forscher die Kunststoffanteile als Polyethylen und Polypropylen, zwei sehr verbreitete Kunststoffarten. Hochauflösende Mikro-Computertomografie und Mikroskopie zeigten anschließend, wie das geschmolzene Material mit dem Korallenschutt verbunden ist.
Die Aufnahmen zeigten, dass das Kunststoffmaterial nicht nur auf der Oberfläche lag. Es war in Poren des Korallenskeletts eingedrungen und bildete mit dem Riffschutt einen zusammenhängenden Verbund. Die Autoren definieren Plasticoral deshalb als thermisch veränderten Kunststoff, der an Korallenschutt haftet oder fest mit ihm verklumpt ist.
Nach ihrer Einordnung handelt es sich um eine biogene Unterform von Plastiglomerat, weil hier ein von Korallen gebildetes Karbonatmaterial den natürlichen Anteil liefert. Damit unterscheidet sich Plasticoral von Formen wie Plasticrust, bei denen Kunststoff vor allem an Gestein haftet.
Wie Plasticorals genau entstehen, ist noch nicht abschließend geklärt. Einer der Funde lag am Boden einer Feuerstelle am Sosu Beach. Das macht Strandfeuer zu einer plausiblen Quelle der nötigen Hitze, beweist den Bildungsweg aber nicht. Die Autoren nennen Verbrennung als mögliche Ursache der thermischen Veränderung und betonen weiteren Forschungsbedarf.
Ebenso offen sind Verbreitung, Stabilität und ökologische Folgen. Die Studie dokumentiert zunächst nur wenige Funde auf Okinawa. Ob Plasticorals Organismen schädigen, Schadstoffe freisetzen oder in anderen Riffregionen häufig vorkommen, wurde nicht untersucht und muss erst geprüft werden.
Die Forscher sehen in den Verbundstücken außerdem mögliche künftige Marker im Sediment. Kunststoff kann sehr lange in der Umwelt erhalten bleiben und sich mit natürlichen Materialien verbinden. Plasticorals könnten deshalb dazu beitragen, menschliche Plastiknutzung in späteren Ablagerungen zu erkennen, falls sich ihre Bildung und langfristige Erhaltung bestätigen.