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Mammutfunde werfen neues Licht auf Nordböhmens Eiszeitjäger
Jagdplatz am Rand des bekannten Gravettien: In der nordböhmischen Stadt Ústí nad Labem haben Archäologen Überreste von mindestens 20 Wollmammuts zusammen mit Feuerstellen, Ocker und Steinwerkzeugen untersucht. Schnittspuren, Nutzungsspuren an Werkzeugen und die Altersstruktur der Tiere sprechen dafür, dass Menschen dort frische Mammutkadaver verwerteten und zumindest einen Teil der Tiere aktiv jagten.
Brno (Tschechien). Mammutknochenplätze mit Spuren menschlicher Aktivitäten sind in Mitteleuropa besonders aus Niederösterreich, Mähren und Südpolen bekannt. Ob die Tiere gejagt, als natürlich verendete Kadaver genutzt oder auf verschiedene Weise zusammengetragen wurden, wird seit langem diskutiert. Der neue Fund von Bukov schiebt diese Fundlandschaft nun deutlich nach Nordwesten.
Forscher des Archeologický ústav AV ČR, Brno, v. v. i. (ARÚB) um Dominik Chlachula haben den 2024 entdeckten Fundplatz nun erstmals umfassend beschrieben. Bei der archäologischen Untersuchung einer Baustelle für den Justizpalast von Ústí nad Labem wurden auf mehr als 1.000 Quadratmetern Knochen, Feuerstellen, Ocker, ortsfremde Gesteinsblöcke und Steinwerkzeuge dokumentiert. Erkannt wurde nur eine archäologische Fundschicht.
Die Tierknochen umfassen mehr als 3.500 Fundstücke. Mammuts dominieren klar, daneben fanden sich nur wenige Überreste von Wollnashorn, Pferd, Rentier und Hase. Anhand von Unterkiefern und Zähnen schätzen die Forscher die Mindestzahl der Wollmammuts auf 20.
Besonders auffällig ist die vorläufige Altersverteilung. 13 der 20 untersuchten Mammuts gehören demnach in die Gruppe von etwa 13 bis 24 afrikanischen Elefantenjahren, einem Vergleichsmaß für die Zahnentwicklung. Einige Tiere waren deutlich jünger. Dieses Muster könnte auf eine Auswahl bestimmter Tiere bei der Jagd hindeuten, lässt aber auch andere Erklärungen zu.
Auch die Knochen selbst sprechen für eine Nutzung frischer Kadaver. Die Forscher berichten von Schnittspuren und frischen Brüchen. Außerdem lagen einzelne Körperpartien noch im anatomischen Verband. Zusammen mit Feuerstellen und Ocker stützt dies die Deutung, dass die Knochenansammlung wesentlich durch menschliche Aktivitäten entstand.
Insgesamt wurden 286 Steinartefakte mit der Totalstation eingemessen. Für eine erste Gebrauchsspurenanalyse wählte das Team acht Werkzeuge aus. Ein rückengestütztes Klingenstück trug Spuren vom Zerlegen von Tierkörpern, eine weitere Klinge vom Schneiden und Schaben von Häuten sowie vom Zerlegen.
Bei drei Geräten fanden sich Bruchmuster, die häufig mit einer Nutzung als Geschossspitzen in Verbindung gebracht werden. Nach dem von den Autoren verwendeten neueren Bewertungssystem erreichten zwei Stücke die Schwelle für eine Projektil-Interpretation, während ein drittes weniger eindeutig blieb. Die Kombination aus möglichen Jagdwaffen und Werkzeugen für die Verarbeitung von Tierkörpern ist ein wichtiges Indiz für aktive Jagd.
Vier erste Radiokarbondaten aus Holzkohle von Feuerstellen reichen kalibriert von etwa 28.765 bis 25.626 Jahren vor heute und passen insgesamt in das späte Gravettien. Die einzelnen Messungen stimmen jedoch nicht vollständig überein. Weitere Datierungen sollen deshalb die zeitliche Einordnung genauer absichern.
Die räumliche Verteilung der Funde, einige noch verbundene Körperpartien und die vergleichsweise geringe Zahl an Steinwerkzeugen sprechen nach Ansicht des Teams eher für eine kurze Nutzung des Platzes als für einen längerfristigen Wohnplatz. Die Altersstruktur der Mammuts deutet zugleich darauf hin, dass die Knochen möglicherweise aus mehreren kurz aufeinanderfolgenden Jagdereignissen stammen.