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Frauengesundheit: Wenn der Herzinfarkt übersehen wird
Bestimmte Krankheiten äußern sich bei Frauen anders als bei Männern. Trotzdem werden geschlechtsspezifische Unterschiede häufig zu wenig berücksichtigt. Eine neue Allianz fordert Aufmerksamkeit.
Simone von Polheim sitzt an ihrem Wohnzimmertisch in Remscheid und blättert durch Urlaubsfotos aus Italien. Bilder von Sonne, von Bergen, von Ausflügen. Es sind Erinnerungen an Ferien, die beinahe tödlich geendet hätten. "Ich dachte, dass ich das nicht überlebe. Ich merkte, wie mein Kreislauf wegsackt und ich Rückenschmerzen bekam, wie ich sie noch nicht kannte", erinnert sie sich.
Mitten im Urlaub erlitt sie einen Herzinfarkt, doch niemand erkannte ihn. Im Krankenhaus wurden ihre Beschwerden zunächst nicht als Herzproblem erkannt. "Ich habe diese Schmerzen nicht ausgehalten. Man hat keinen Blutdruck gemessen, man hat gar nichts gemacht. Man hat mich in den Flur gelegt", sagt sie.
Simone Polheim musste lange warten bis ihr Herzinfarkt erkannt wurde.
Das Ärzteteam im Krankenhaus glaubte an einen Muskelkater, an eine Folge von einer Canyoning-Tour. "Ich konnte auch nicht aufstehen. Das kam mir komisch vor. Ich hatte dann gefragt, ob wir mal ein EKG schreiben könnten. Aber die meinten: Das wäre nicht nötig."
Erst zurück in Deutschland wird die richtige Diagnose gestellt: Herzinfarkt. In einer Katheterbehandlung werden ihre mehrere Stents eingesetzt. Besonders belastet sie bis heute eine Erkenntnis: "Das Schlimme ist der Gedanke im Nachhinein, dass ich hätte sterben können damals. Das hat mich auch sehr lange verfolgt."
Bei unklaren Brustschmerzen warten Frauen oft lange auf die richtige Diagnose.
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Im Frauenherz-Zentrum im Rhein-Maas-Klinikum in Würselen bei Aachen beschäftigt sich Chefarzt Michael Becker täglich mit Fällen wie diesem. Dort entstand vor acht Jahren Deutschlands erstes spezialisiertes Zentrum für Frauenkardiologie. "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Wir haben hier das erste Frauenherz-Zentrum in Deutschland gegründet mit großem Widerstand. Dieser Widerstand reduziert sich langsam", sagt Becker.
Frauen mit Herzinfarkt zeigen häufig andere Symptome als Männer. Statt der klassischen Brustschmerzen stehen bei vielen Patientinnen Übelkeit, Oberbauchbeschwerden, Rücken- oder Kieferschmerzen, Atemnot oder starke Erschöpfung im Vordergrund. Das kann dazu führen, dass Herzinfarkte später oder gar nicht erkannt werden. "Man muss wissen, worauf man achtet", sagt Becker.
Chefarzt Michael Becker hofft auf Unterstützung aus der Politik.