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Epidemien führen zu Verlusten von Personal im Gesundheitssystem
Infektionsausbrüche können Gesundheitssysteme nicht nur durch zusätzliche Patienten belasten, sondern auch mit weniger verfügbarem Personal einhergehen. Eine globale Analyse von 194 Ländern und Territorien findet für die Jahre 1990 bis 2019 einen solchen Zusammenhang. Unter der Annahme eines ursächlichen Effekts entspräche er im Mittel rund 17.500 verlorenen Gesundheitskräften pro Jahr, besonders in einkommensschwächeren Staaten.
Beijing (China). Gesundheitskräfte sind weltweit sehr ungleich verteilt, weshalb gerade Länder mit ohnehin knapper medizinischer Versorgung besonders empfindlich auf größere Infektionsausbrüche reagieren können, wenn ihre verfügbare Belegschaft zusätzlich schrumpft.
Wie stark Epidemien mit solchen Personalverlusten auf globaler Ebene zusammenhängen, war bislang kaum quantifiziert, und unklar war auch, ob die Belastung in ärmeren Ländern relativ größer ist als in wohlhabenderen Staaten.
Forscher der Chinese Academy of Medical Sciences & Peking Union Medical College (CAMS & PUMC) um Yu Jiang haben dafür Daten von 194 Ländern und Territorien aus den Jahren 1990 bis 2019 zusammengeführt. Die Analyse umfasst 1.185 als Katastrophen erfasste Epidemieereignisse und die Dichte von 16 Gruppen des Gesundheitspersonals, darunter Ärzte, Pflegekräfte und Hebammen.
Mit statistischen Modellen prüfte das Team, wie die Zahl der Epidemien mit der Personaldichte im selben und in den folgenden fünf Jahren zusammenhing. Berücksichtigt wurden unter anderem Urbanisierung, Bevölkerungsdichte, Einkommensgruppe, sozioökonomischer Entwicklungsstand und Weltregion, wobei der Zusammenhang mit einem Abstand von einem Jahr am stärksten war. Auf ein zusätzliches Epidemieereignis folgte im Mittel eine niedrigere Dichte des Gesundheitspersonals im nächsten Jahr.
Unter der ausdrücklichen Annahme, dass dieser Zusammenhang ursächlich ist, berechneten die Forscher daraus weltweit einen jährlichen Verlust von durchschnittlich 17.549 Gesundheitskräften. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reicht von 5.661 bis 29.437, was relativ zur gesamten Belegschaft 2,57 Verlusten je 10.000 Gesundheitskräfte entspricht. Besonders hoch waren die geschätzten absoluten Verluste bei Pflege- und Hebammenpersonal mit 6.125 Personen pro Jahr, gefolgt von Hilfs- und Notfallkräften mit 3.162 sowie Ärzten mit 1.478.
Deutlich größer werden die Unterschiede, wenn die Verluste auf die vorhandene Zahl an Gesundheitskräften bezogen werden. In Südasien schätzt die Studie im Mittel 20,52 Verluste je 10.000 Gesundheitskräfte, in Afrika südlich der Sahara 18,03. Für Länder mit niedrigem Einkommen liegt der Wert bei 15,89 und für Länder mit niedrigerem mittlerem Einkommen bei 12,76. In Ländern mit hohem Einkommen sind es dagegen 0,12 je 10.000.
Auch auf Länderebene zeigt sich dieses Muster, denn die größten absoluten Verluste entfallen dem Modell zufolge auf Indien mit 7.907 Gesundheitskräften pro Jahr, gefolgt von Nigeria mit 1.521 und China mit 1.004. Relativ zur jeweiligen Belegschaft liegen Niger mit 57,06, Somalia mit 44,19 und Äthiopien mit 37,12 Verlusten je 10.000 Gesundheitskräfte an der Spitze.
Ein besonders hoher Anteil der geschätzten Verluste fällt in den Zeitraum von 2000 bis 2009. Die Autoren sehen darin einen Hinweis darauf, dass Epidemien bereits bestehende Unterschiede beim Gesundheitspersonal weiter verschärfen könnten, wenn Systeme mit wenig Personal geringere Reserven besitzen, um solche Schocks aufzufangen.
Die Zahlen dürfen allerdings nicht als dokumentierte Todesfälle unter Gesundheitskräften verstanden werden. Gemessen wurde eine Veränderung der aktiv beschäftigten Belegschaft auf Länderebene, hinter der neben Krankheit und Tod auch internationale Migration sowie zeitweilige oder dauerhafte Verlagerungen innerhalb des Gesundheitssystems stehen können. Das Studiendesign kann diese Ursachen nicht voneinander trennen.