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Super-El-Niño könnte Hunderttausende Hitzetote fordern
Der außergewöhnlich starke El Niño könnte die hitzebedingte Sterblichkeit weltweit deutlich erhöhen. Eine neue Analyse des Climate Impact Lab rechnet für die Phase von Juni 2026 bis Ende Februar 2027 mit rund 451.000 zusätzlichen Hitzetoten gegenüber einem durchschnittlichen Jahr. Für die kommenden sechs Monate allein liegt die Projektion bei 239.000 zusätzlichen Todesfällen.
Chicago (U.S.A.). Der aktuelle Super-El-Niño heizt den Planeten zusätzlich auf und verschiebt zugleich Regenmuster. Besonders gefährlich ist die zusätzliche Wärme dort, wo hohe Temperaturen schon heute häufig auftreten und Menschen nur begrenzt Zugang zu Kühlung, medizinischer Versorgung oder anderen Schutzmaßnahmen haben. Genau diese regionalen Unterschiede stehen im Mittelpunkt der neuen Analyse.
Ein Team des Climate Impact Lab (CIL) mit Prof. Michael Greenstone von der University of Chicago hat dafür langfristige Temperatur-Sterblichkeits-Beziehungen mit saisonalen Temperaturprognosen kombiniert. Die zugrunde liegenden Zusammenhänge zwischen Temperatur und Sterblichkeit stammen aus einer bereits fachbegutachteten globalen Analyse. Sie wurden aus subnationalen Sterbedaten von 40 Ländern abgeleitet und auf insgesamt 24.378 Regionen weltweit übertragen.
Für die aktuelle Projektion verknüpften die Forscher diese regionalen Risikokurven mit dem saisonalen Vorhersagesystem SEAS5 des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage. Als Vergleich dient der Durchschnitt der Jahre 1996 bis 2025. Unsicherheiten aus dem 51 Mitglieder umfassenden Vorhersageensemble und aus den geschätzten Temperatur-Sterblichkeits-Beziehungen fließen in die Berechnung ein.
Für die erste Phase des El Niño von Juni 2026 bis Ende Februar 2027 kommt die Analyse auf rund 451.000 zusätzliche hitzebedingte Todesfälle. Davon entfallen nach dem Bericht 239.000 plus oder minus 11.000 auf den Zeitraum von September 2026 bis Februar 2027. Diese zweite Zahl beschreibt damit den Teil, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch innerhalb des aktuellen sechsmonatigen Saisonvorhersagefensters liegt.
Die Forscher erwarten zugleich, dass die globalen, bevölkerungsgewichteten Landtemperaturen in den kommenden Monaten etwa 1,2 Grad Celsius über dem üblichen Niveau liegen. Dadurch könnte es rund 44 Prozent mehr extrem heiße Tage geben als in einem normalen Jahr. Die Analyse beschreibt diese Werte ausdrücklich als Projektion und nicht als bereits beobachtete Zahl von Todesfällen.
Die stärksten Auswirkungen erwartet das Team in bereits heißen Regionen des Globalen Südens. Für den Sahel werden zwischen September und Februar insgesamt rund 66.800 zusätzliche Hitzetote projiziert. Allein auf Nigeria entfallen 31.400, auf Sudan 17.500, auf Niger 10.000 und auf Tschad 8.000.
Auch Süd- und Südostasien fallen in der Projektion stark ins Gewicht. Für Indonesien nennt der Bericht rund 19.300 zusätzliche Hitzetote, für Indien 15.800. Auf die Philippinen, Vietnam, Thailand und Kambodscha zusammen entfallen 19.400 weitere Todesfälle. In Brasilien liegt die Schätzung bei 13.300.
„Dieser Bericht zeigt Entscheidungsträgern genau, wo jetzt Notfallmaßnahmen ergriffen werden können, um in den kommenden Monaten Zehntausende Leben zu retten“, sagt Michael Greenstone.
Der regionale Blick soll deshalb nicht nur die Größenordnung des Risikos zeigen, sondern auch die zeitliche Verteilung. In Nigeria, Indonesien, Brasilien und Indien fällt ein erheblicher Teil der projizierten Sterblichkeit erst zwischen Dezember und Februar an. Dadurch bleibt nach Einschätzung des Teams in vielen Regionen noch Zeit, Schutzmaßnahmen gezielt zu verstärken.