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RTX 5090 über WLAN: WiCi One macht Notebooks kabellos zum Gaming-PC
Externe Grafikkarten benötigen normalerweise Thunderbolt, USB4 oder OCuLink. WiCi One will selbst dieses Kabel abschaffen und eine GeForce RTX über Wi-Fi 7 bereitstellen. Dabei handelt es sich nicht um Game-Streaming: Das Spiel läuft weiterhin auf dem Notebook, lediglich die GPU-Berechnungen wandern über das Netzwerk.
Hinter WiCi One steckt ein vollständiger Rechner, der im heimischen Netzwerk als gemeinsam nutzbare GPU dienen soll. In der kleineren Variante verbaut der Hersteller eine GeForce RTX 5060 Ti mit 16 GB GDDR7, einen Intel Core 3 100U und eine 1 TB große NVMe-SSD. Das größere Modell setzt auf die GeForce RTX 5090 mit 32 GB GDDR7, einen Core Ultra 7 255H und 4 TB NVMe-Speicher.
Die Verbindung zu Notebook, Desktop-PC oder anderen kompatiblen Geräten erfolgt über Wi-Fi 7 mit 4×4 MIMO und 320 MHz Kanalbreite. Unter Windows, Linux und macOS soll ein virtueller GPU-Treiber die entfernte Grafikkarte so in das System einbinden, als wäre sie lokal vorhanden. Bestehende Programme und Spiele sollen deshalb ohne Anpassungen funktionieren.
WiCi unterscheidet dieses Verfahren ausdrücklich von Remote Play oder klassischem Game-Streaming. Das Spiel selbst wird weiterhin auf dem Notebook ausgeführt. GPU-Aufgaben schickt der Treiber hingegen an WiCi One, das die Berechnungen übernimmt und die benötigten Ergebnisse zurückliefert.
Die technische Herausforderung liegt allerdings auf der Hand. Eine Grafikkarte hängt normalerweise über PCIe direkt am Prozessor. PCIe 5.0 ×16 erreicht theoretisch rund 500 Gbit/s in eine Richtung, während WiCi mit einer WLAN-Verbindung, selbst unter besten Voraussetzungen, nur ein Bruchteil davon zur Verfügung steht. Auch die Latenz steigt von Mikrosekunden auf Millisekunden.
Ein simples Weiterreichen sämtlicher GPU-Aufrufe und Daten wäre damit viel zu langsam. WiCi versucht das Problem über Caching, gebündelte Aufrufe und eine lokale Zwischenspeicherung auf der GPU-Seite zu umgehen. Daten, die für mehrere Berechnungen benötigt werden, sollen möglichst im Grafikspeicher, Arbeitsspeicher oder auf der NVMe-SSD des WiCi One verbleiben, anstatt bei jedem Arbeitsschritt erneut durch das WLAN geschickt zu werden.
In einem technischen Beitrag nennt der Hersteller Cyberpunk 2077 als Beispiel. Ohne Upscaling und Frame Generation erzeugte das Spiel bei eigenen Messungen in Full HD durchschnittlich 7,88 Gbit/s an Host-zu-GPU-Verkehr beim Rasterizing und 10,44 Gbit/s mit Pathtracing. Ein separat getestetes Wi-Fi-6-Netz erreichte dagegen lediglich 1,685 Gbit/s. Der Ansatz funktioniert daher nur, wenn ein großer Teil dieses Datenverkehrs gar nicht erst über das Funknetz übertragen werden muss.
Eine kabelgebundene Alternative nennt WiCi bislang nicht. Im veröffentlichten Datenblatt ist ausschließlich Wi-Fi 7 mit 4×4 MIMO und 320 MHz Kanalbreite aufgeführt. Ein Ethernet-Anschluss, etwa mit 10 Gbit/s, wird nicht genannt. Gerade für stationäre PCs oder Notebooks am Schreibtisch wäre eine solche Verbindung angesichts der höheren und vor allem konstanteren Datenrate naheliegend.
Dass das Konzept zumindest unter Herstellerbedingungen funktionieren soll, demonstriert WiCi mit ersten Benchmarks. Cyberpunk 2077 soll in 4K mit Ultra-Preset und DLSS 4 über die RTX-5060-Ti-Version 80 FPS erreichen. Mit der RTX 5090 nennt WiCi 110 FPS. Black Myth: Wukong soll mit Cinematic-Preset und DLSS 4 auf 60 beziehungsweise 90 FPS kommen.
Die Spiele laufen laut Hersteller dabei unverändert und verwenden WiCi One als virtuelle GPU über Wi-Fi 7. Unabhängige Messungen zu Leistung, Latenz oder möglichen Mikrorucklern stehen allerdings noch aus. Gerade bei Spielen dürfte entscheidend sein, wie stark unterschiedliche WLAN-Umgebungen und konkurrierender Netzwerkverkehr das Ergebnis beeinflussen. WiCi räumt selbst ein, dass sich Workloads mit häufigen großen Datenübertragungen und Rücklesevorgängen weniger für das Konzept eignen.