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Darknet Diaries Deutsch: Auch Betrüger haben Lieder - Teil 1
Wie ein Ex-Black-Hat-Werber die Seiten wechselt: Andrew Batey entlarvt mit KI und Datenanalyse einen milliardenschweren Betrug im Musikstreaming.
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Dies ist der erste Teil von „Auch Betrüger haben Lieder“. Der zweite Teil wird in einer Woche veröffentlicht. Im Englischen Original von Jack Rhysider trägt diese Episode den Namen „Melody Fraud“.
Die deutsche Produktion verantworten Isabel Grünewald, Judy Hohmann und Marko Pauli von heise online. Der Podcast erscheint wöchentlich auf allen gängigen Podcast-Plattformen und kann hier abonniert werden.
JACK: Ich mochte das Konzept „Fake it 'til you make it“ schon immer. Wenn man sich so verhält wie die Person, die man sein möchte, bis man sie tatsächlich ist. Man fühlt sich manchmal wie ein Hochstapler, aber ich glaube, das beste Gegenmittel dafür ist einfach mehr Erfahrung. Aber wie wird man vom totalen Anfänger zu jemandem, der etwas selbstbewusst tut? Ich gehe da oft in die Buchhandlung, um mir helfen zu lassen. Aber wisst ihr, welche Bücher mich schon immer gestört haben? Diese „Für Dummies“-Bücher, wie C-Programmieren für Dummies oder The Complete Idiot’s Guide. Selbst wenn ich keine Ahnung habe, wo ich anfangen soll, würde ich mir so ein Buch nie kaufen. Ich halte mich weder für einen Dummy noch für eine Idiotin, ich will ja nur wirken wie eine Expertin, bis ich tatsächlich eine bin, und ich will nicht vortäuschen, ein Dummy zu sein. Ich will eine großartige Programmiererin sein. Ein Dummy-Leitfaden für Programmierung entspricht da nicht meiner Zielvorstellung. Ich finde, die Titel dieser Bücher zielen auf das ab, was man jetzt ist, und nicht auf das, was man werden will, und das passt nicht zu mir.
Ich habe unzählige Ratgeber gekauft, aber ich werde mir niemals eines dieser Bücher zulegen. Für mich liegt der Schlüssel zum Erfolg im Ehrgeiz. Ich würde sofort Bücher kaufen, die „Wie man ein fantastischer C-Programmierer wird“ heißen, denn das ist es ja, was ich werden will. Das Buch könnte exakt wortgleich zu dem anderen Buch sein, diesem „C-Programmieren für Dummies“, aber es hätte eine völlig andere Wirkung auf mich. Jedes Mal, wenn ich den Titel sähe, hätte ich das Gefühl, immer mehr zu der Person zu werden, die ich sein will – einer fantastischen Programmiererin. Das gäbe mir so ein vorgetäuschtes Gefühl von Größe, was genau dem entspricht, was „Fake it 'til you make it“ ausmacht. Es geht nicht darum, wer man heute ist, sondern wer man morgen sein möchte. Es geht darum, die ersten Schritte zu gehen, sich auf eine Transformation einzulassen und zuzulassen, dass die eigenen Handlungen das Schicksal formen. Also los, tut einfach so, ihr könnt euch selbst belügen, wenn ihr wollt, denn manchmal sind die größten Lügen diejenigen, die unser wahres Ich freisetzen.
JACK: Andrew hat einen wirklich einzigartigen Job, und ich kann es kaum erwarten, mit ihm darüber zu sprechen. Aber zuerst sollten wir erfahren, wie er dorthin gekommen ist.
ANDREW: Ich habe bei Facebook angefangen, damals, als es noch nur für die Universitäten da war, und dann war ich einer der ersten fünfzig Beta-Werbetreibenden auf Twitter und habe gelernt, deren System zweckzuentfremden.
JACK: Deren System zweckentfremden. Diese Systeme sind riesig und komplex; Algorithmen, Likes, Follower und ein ganzes Werbenetzwerk. Er fragte sich, ob er das alles zu seinem Vorteil manipulieren könnte.