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Schäden durch CO₂ neuer Kohle-, Gas- und Ölprojekte lässt sich konkret messen
Auch ein einzelnes großes Gasprojekt trägt quantifizierbar zur globalen Erwärmung bei. Eine Studie beziffert am Beispiel des australischen Scarborough-Projekts, wie dessen erwartete 876 Millionen Tonnen CO₂ mit zusätzlicher Hitzeexposition, Hitzetoten in Europa und Korallenverlusten am Great Barrier Reef zusammenhängen. Die Methode lässt sich nach Angaben der Autoren auf weitere fossile Projekte und deren erwartete Emissionen übertragen.
Canberra (Australien). Entscheidungen über einzelne Kohle-, Öl- oder Gasprojekte erscheinen im globalen Emissionsmaßstab oft klein, obwohl für Kohlendioxid ein nahezu linearer Zusammenhang zwischen den insgesamt freigesetzten Mengen und der globalen Erwärmung gilt. Genau diesen Zusammenhang nutzt eine Studie, um die zusätzlichen Klimafolgen eines einzelnen Projekts zu berechnen.
Grundlage ist die sogenannte Transient Climate Response to CO₂ Emissions (TCRE), für die der Weltklimarat IPCC als besten Schätzwert 0,45 Grad Celsius zusätzliche Erwärmung je 1.000 Gigatonnen CO₂ ansetzt. Für kleinere Emissionsmengen lässt sich dieser Zusammenhang entsprechend herunterskalieren, solange er innerhalb des wissenschaftlich abgesicherten Anwendungsbereichs bleibt.
Forscher an der Australian National University (ANU) um Nerilie Abram haben diesen Ansatz auf das Scarborough-Gasprojekt vor der Küste Westaustraliens angewandt. Nach den im Projektantrag ausgewiesenen Mengen erwarten sie über die Laufzeit insgesamt 876 Millionen Tonnen CO₂, woraus sich ein bester Schätzwert von 0,00039 Grad zusätzlicher globaler Erwärmung ergibt. Der wahrscheinliche Bereich liegt zwischen 0,00024 und 0,00055 Grad.
Die Zahl ist klein, doch die Studie verbindet sie mit bereits veröffentlichten Zusammenhängen zwischen globaler Erwärmung und konkreten Folgen. Für eine angenommene Weltbevölkerung von 9,5 Milliarden Menschen ergeben sich demnach zusätzlich rund 516.000 Menschen, die Temperaturen oberhalb des heißen Randes der menschlichen Klimanische ausgesetzt wären, während weitere rund 356.000 Menschen außerhalb dieser Klimanische leben würden.
„Diese Ergebnisse stehen in deutlichem Gegensatz zu Behauptungen, einzelne fossile Projekte hätten vernachlässigbare Auswirkungen. Allein diese Fallstudie zeigt, dass die zusätzliche Erwärmung durch die CO₂-Emissionen des Scarborough-Projekts über mehrere Jahrzehnte bis Jahrhunderte anhalten und langfristige ökologische und gesellschaftliche Folgen verursachen wird“, erklärt Associate Professor Andrew King von der University of Melbourne.
Für Europa überträgt das Team die zusätzliche Erwärmung auf veröffentlichte Projektionen der temperaturbedingten Sterblichkeit in 854 Städten. Im mittleren Emissions- und Bevölkerungsszenario SSP2-4.5 ergibt sich bis 2100 ein bester Schätzwert von 484 zusätzlichen hitzebedingten Todesfällen. Berücksichtigt man zugleich weniger kältebedingte Todesfälle, liegt der geschätzte Nettoeffekt bei 118 zusätzlichen Todesfällen, wobei der Unsicherheitsbereich auch Werte unter null einschließt.
Auch für das Great Barrier Reef berechnen die Forscher eine zusätzliche Belastung, indem sie die projektbedingte Erwärmung auf die aufsummierte thermische Belastung während künftiger Massenbleichen übertragen. Daraus leiten sie im Mittel den Verlust von rund 16 Millionen zusätzlichen Korallenkolonien bei jeder künftigen Massenbleiche ab, mit einem wahrscheinlichen Bereich von 4,7 bis 37 Millionen.
„Unternehmen, die neue oder erweiterte fossile Projekte vorschlagen, müssen die Folgen ihrer prognostizierten Emissionen besser berücksichtigen. Es ist nicht länger vertretbar, einfach zu behaupten, ihre Folgen seien vernachlässigbar“, sagt Prof. Sarah Perkins-Kirkpatrick von der Australian National University (ANU).
Die Studie betrachtet zudem, wie sich die in Australien bilanzierten Emissionen des Projekts zu einem schrumpfenden nationalen CO₂-Budget verhalten. Nach der verwendeten Dekarbonisierungskurve würden sie 2049 rund 49 Prozent des jährlichen australischen CO₂-Budge