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Softwarearchitektur: Technische Entscheidungen sind auch UX-Entscheidungen
Den Grundstein für gute User Experience legen Entwicklungsteams bereits in Architektur und Priorisierungen, nicht erst im Interface.
Ein Checkout zeigt „Bestellung wird verarbeitet“ und die Anwendung reagiert verzögert. Der Status bleibt unklar, weshalb Nutzerinnen und Nutzer erneut klicken, vielleicht sogar abbrechen oder sich fragen, ob sie gerade doppelt bezahlen. Aus technischer Sicht geht es hier vielleicht um Antwortzeiten, Statuslogik oder Wiederholbarkeit, aber aus UX-Sicht entsteht in diesem Moment bei Nutzerinnen und Nutzern einfach nur Unsicherheit.
Dominique Winter ist Experte für erlebnisorientierte Produktentwicklung und unterstützt Organisationen dabei, begeisternde Produkte zu entwickeln. Praktische Erfahrungen aus der digitalen und nicht-digitalen Produktentwicklung ergänzt er durch langjährige Forschung in den Bereichen Organisationsentwicklung und User Experience. Seine Erfahrungen teilt er mit jedem, der Lust hat etwas Neues auszuprobieren und persönlich zu wachsen.
Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Designproblem. Vielleicht ist das Interface nicht klar genug oder es fehlen Hinweise an den richtigen Stellen. Vielleicht müsste man die Nutzerführung verbessern oder die Texte überarbeiten. Das kann alles richtig sein, aber häufig zeigt sich im Interface nur, was vorher bereits in der Architektur, in der Priorisierung, im Datenmodell, in der Fehlerbehandlung oder in den Zielsystemen der Organisation entschieden wurde. Entwicklungsteams behandeln die UX oft dort, wo sie sichtbar ist. Doch die Entscheidung darüber findet an vielen Stellen statt, an denen niemand ausdrücklich über UX spricht.
Wenn beispielsweise der Checkout eines Onlineshops langsam reagiert, arbeiten Entwicklerinnen und Entwickler am sichtbaren Teil des Problems. Sie passen die Texte an, ergänzen Hinweise, bauen Tooltips ein oder erweitern Hilfeseiten. Das kann hilfreich sein, löst aber nicht zwingend die Ursache. Wenn der eigentliche Grund eine unklare Statuslogik oder vielleicht auch eine instabile Schnittstelle ist, die verlässliche Rückmeldungen erschwert, bleibt die UX-Schwäche bestehen – egal, wie viele visuelle Änderungen man durchführt.
Das gleiche Muster findet sich auch in internen Anwendungen. Eine Anwendung kann fachlich korrekt sein und trotzdem schlechte Nutzungserlebnisse erzeugen, wenn Statuswechsel nicht nachvollziehbar sind. Ein Formular kann alle notwendigen Felder enthalten und trotzdem überfordern, vor allem dann, wenn Begriffe aus dem Datenmodell nicht zur Sprache der Anwenderinnen und Anwender passen.
User Experience ist nicht das, was UX-Designerinnen und -Designer tun. Sie ist das, was bei Menschen entsteht, wenn sie mit einem Produkt, Service oder System in Berührung kommen. Menschen haben dabei Erwartungen und sie interpretieren Rückmeldungen. Sie bewerten, ob ein System für sie zuverlässig, verständlich, hilfreich oder hinderlich ist. Aus jeder einzelnen Nutzung entsteht eine Erfahrung, die sich zu einer gesamten Erfahrung aggregiert, die wiederum die zukünftigen Nutzungen prägt.
Die Product Owner Days 2027 am 10. und 11. März in Köln zeigen Product Ownern und Produktmanagerinnen praxisnah, wie sie in einem sich rasant verändernden Umfeld wirksam agieren können. Updates zum Programmstart via Newsletter.
Das Interface spielt dabei eine zentrale Rolle, weil es die Schnittstelle zwischen Mensch und System bildet. Jedoch prägen auch Geschwindigkeit, Stabilität, Datenqualität, Fehlermeldungen, Prozesslogik, Barrierefreiheit, Dokumentation und Supportfähigkeit, wie Menschen ein Produkt erleben.
Viele Entscheidungen haben UX-Folgen. Manche davon sind gestalterisch, manche technisch, manche produktstrategisch und manche organisational.