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Rechenzentren im All: Googles erste KI-Chips kreisen um die Erde
Was bislang vor allem nach einer ambitionierten Zukunftsvision klang, befindet sich jetzt tatsächlich im Erdorbit. Google hat einen ersten Prototypen für Project Suncatcher gestartet. An Bord befindet sich TPU-Hardware, mit der das Unternehmen untersuchen will, ob sich KI-Rechenzentren eines Tages ins All verlagern lassen.
Am 1. Oktober ist ein gemeinsam mit Planet entwickelter Prototyp für Project Suncatcher mit einer Falcon 9 von SpaceX gestartet. Der Satellit flog als Teil der Mitflugmission Transporter-18 ins All. Google hat inzwischen Kontakt mit dem Satelliten aufgenommen, der nach Angaben des Unternehmens wie vorgesehen arbeitet.
Damit beginnt der erste praktische Test eines Projekts, das Google im November 2025 vorgestellt hatte. Langfristig will der Konzern untersuchen, ob sich große Rechenkapazitäten für Machine Learning in den Weltraum verlagern lassen. Statt riesiger Rechenzentren am Boden wären dafür Schwärme aus miteinander verbundenen Satelliten vorgesehen.
Der jetzt gestartete Prototyp ist davon allerdings noch weit entfernt. Er soll zunächst klären, ob Googles Tensor Processing Units (TPUs) den Belastungen eines Starts und dem dauerhaften Betrieb im Weltraum überhaupt gewachsen sind. Gesammelt werden unter anderem Daten zu Strahlung, Temperatur und den mechanischen Belastungen während des Fluges.
Der wichtigste Grund für den ungewöhnlichen Standort liegt bei der Energieversorgung. In einer geeigneten niedrigen Erdumlaufbahn können Solarmodule laut Google nahezu dauerhaft Sonnenlicht ausgesetzt werden und auf die Fläche gerechnet bis zu achtmal mehr Energie erzeugen als auf der Erde. Auf große Batteriespeicher könnte dadurch weitgehend verzichtet werden.
Einfach ins All versetzen lässt sich ein klassisches Rechenzentrum trotzdem nicht. Schon der Raketenstart stellt die Hardware vor Probleme: Während des Fluges wirken laut Google dauerhaft Kräfte von bis zu 10 g. Einzelne Bauteile wie die TPUs können kurzzeitig sogar Belastungen von 50 bis 100 g ausgesetzt sein.
Hinzu kommt die kosmische Strahlung. Google hatte Trillium-TPUs deshalb bereits am Crocker Nuclear Laboratory der University of California mit einem Protonenstrahl bombardiert. Den bisherigen Tests zufolge vertragen die Chips eine höhere Gesamtdosis, als sie bei einer fünfjährigen Weltraummission zu erwarten wäre.
Schwieriger wird es beim Abtransport der Abwärme. Während sich Rechenzentren auf der Erde mit Luft oder Flüssigkeit kühlen lassen, fehlt im Vakuum die umgebende Luft. Die entstehende Wärme muss letztlich über Radiatoren abgestrahlt werden. Google experimentiert dafür unter anderem mit Heatpipes und Radiatoren und hat entsprechende Systeme bereits in einer Vakuumkammer getestet.
Der jetzt gestartete Satellit soll zeigen, wie gut das Konzept unter realen Bedingungen funktioniert. Project Suncatcher ist damit noch kein Rechenzentrum im Orbit, sondern zunächst ein vergleichsweise kleiner Machbarkeitstest.
Der nächste Schritt ist bereits geplant. 2027 will Google zwei weitere Satelliten ins All bringen, die in enger Formation fliegen und über optische Verbindungen miteinander kommunizieren. Langfristig sollen solche Laserlinks genügend Bandbreite bieten, um die Rechenleistung vieler Satelliten zu einem größeren Verbund zusammenzuschalten.